Niklas Götz

Ikarus

 

Kalt und düster war die Welt
Als ich fand ein Paar Flügel auf brachem Feld
Keine Spur ihrer Herkunft konnt ich fassen
Stellte staunend fest, dass sie mir genau passen
Lange zögerte ich, mich mit ihnen zu erheben
Und mit ihnen gen Horizont zu schweben
Im Herzen spürt ich tief den Willen
Mein Sehnsucht nach Wärme zu stillen
Und so überwand ich mein Zaudern
Befreite mich von der Finsternis Schaudern
Ergriff die Flügel und erhob mich mit des Leibes Kraft
So schien die Flucht für immer geschafft

Schwarz war es unter, tränenreich hinter mir
Der Himmelsrichtungen offen standen mir vier
Doch kaum verließen meine Füßen den Boden
Erkannt ich der Flügel Bestimmung im Oben
Geblendet von der Erscheinung waren erst meine Augen
Doch konnten sie schon gierig Glück hiervon saugen
Bald sah ich das wundersame Gestirn, hell wie die Sonne
Das ich seit Langem suchte und mir nun bereitet tiefste Wonne
Es schenkte mir die Flügel, nun hab ichs erblickt
Geboren in Finsternis, werd ich von ihm nun erquickt
Winde zerren an mir, ziehen mich zugrunde
Doch bin ich zu stark dank der frohen Kunde
Will weiter hinauf, hab in Licht meinesgleichen gefunden
Bald schon bin ich dort dem Grauen am Boden entschwunden
Wasser und Blut schwitz ich im Kampfe gegen die Macht
Die wünscht, sie hät mich schon zugrunde gebracht
Nähere mich schon der Erlösung, Stück für Stück
Spüre Freundschaft, Nähe, Wärme, Liebe, Glück
Strecke meine Hand, entbrannt in Feuer, greife zärtlich zu
Verlier mich im Traum, schließ die Augen…

…öffne sie.
Seh das Licht entschwinden, spür mich fallen
Meine Tränen fliegen von mir, mein Atem stockt
Durchbreche Wolken der Finsternis
Schmecke Regen aus Blut
Spüre die Kälte des Todes
Schlage auf

Zurück in der Einsamkeit der Geisterwelt
In der seit Jahrtausenden ward kein Feld mehr bestellt
Arbeite ich emsig am Heilen der Flügel
Und besteige so manchen Hügel
Um an seligen Tagen die Wolken starrend zu durchbrechen
Und dem Gestirn zu senden mein Versprechen
Dass ich werde mich wieder und wieder erheben
Um den Moment der Zweisamkeit erneut zu erleben
Und mit dem federnen Geschenk, gefunden zwischen Steinen
Es zu erreichen, mich mit ihm endgültig zu vereinen

Und doch frag ich mich:
Wie oft muss ich es erleben
Höchstes zu erstreben
Und tiefer stürzen als zuvor

Und sollte ich noch so oft fallen
Noch so oft zerschellen
Ich werde es erreichen
Die Finsternis zu überwinden und zu Licht zu werden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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