Aylin

Selbst(Doppelsonett)

Selbst (Sonett)

 

Die Inszenierung

 

Er rief nach ihr. So viele stumme Lieder

besangen sie in mancher stillen Nacht,

die er in diesem Hause hat durchwacht.

So viele und sie kamen immer wieder.

 

Stets war es doch dieselbe Melodie,

die sanft beklagte, was verloren war,

nicht in die rechte Zeit geboren war.

Das dumpfe Weh des immer gleichen Nie.

 

Er nahm die Frauen wie sie grade kamen,

die Damen, die viel gaben und nichts nahmen.

Und wieder sank ein Abend, nebelgrau,

 

der ihm die Lieder spann wie blaue Seide

um diese unerreichbar ferne Frau,

und Kerzenschein vergoldete sein Leide.

 

Die Reduzierung

 

Nun liegt er hier und nichts ist ihm mehr nah.

Die Weißbetuchten schwirren wie die Bienen.

Sie sprechen leise, ernst sind ihre Mienen.

Jetzt sieht er Frauen wie er nie sie sah,

 

die zu ihm sprechen wie zu einem Kind.

Was wollen sie von ihm, den sie nicht kennen,

doch seinen Namen sanft und sachlich nennen?

Der Schrank dort, sagen sie, sei nun sein Spind.

 

Kein Bild hängt an der Wand, das ihm verriet,

wer er wohl wäre und alle jene Fremden,

die kommen mit den Taschen frischer Hemden.

 

Doch ist da dieses eine stumme Lied,

das heimlich tief in seinem Innern schwingt.

Und eine Fremde sagt: „Es wird! Er singt.“


(C)Aylin
 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Aylin).
Der Beitrag wurde von Aylin auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Die blauen Märchen. Märchen für kleine und grosse Kinder von Elke Anita Dewitt



"Wie willst du mir denn helfen, liebe Birke?", seufzte Elise traurig.
"Ich kenne viele Geschichten, die der Wind mir zugetragen hat. Als Kind hast du mich mit Wasser und deiner Fürsorge genährt. Heute nähre ich dich mit meiner Kraft und meinen Geschichten."
"Erzähle mir deine Geschichten, lieber Baum," sagte Elise.
Da begann die Birke zu erzählen. "Dies sind die Geschichten der Blauen Märchen."
So lyrisch beginnt eines der "Blauen Märchen", die Elke Anita Dewitt in ihren neuen Buch erzählt und die voller Zauber nicht nur Kinder begeistern, sondern auch das Kind gebliebene Herz, das in jedem Erwachsenen schlägt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (4)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Nachdenkliches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Aylin

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Still stand von Aylin . (Das Leben)
Hoffnungslos von Adalbert Nagele (Nachdenkliches)
MAIKÄLTE von Christine Wolny (Jahreszeiten)