Inge Hornisch

Berliner Lichterherbst

Verglüht die Oktobersonne
rotgolden im Berliner Westen
und der Türkishimmel
verblaut zu Lapislazuli,
dann erwacht Berlins
bunter Lichterreigen
vom Funkturm bis
zum Humboldthafen,
von Charlottenburg
bis zum Märkischen Viertel.

Ein Stadtbus bringt Touristen
zu den interessantesten
Sehenswürdigkeiten
der abendlichen Lichterstadt
im Farbenspektrum.
Die Lichterwelt Berlins
prägt sich als
unvergessliches
Regenbogenerlebnis ein.

Am Schloss Bellevue, dem Amtssitz
des Bundespräsidenten, werden
Ideen zur Demokratie in Bild und Ton
auf einer Regenbogenfassade
anschaulich demonstriert.

Vor dem erhellten Reichstag stehen
rotgewandete Wächter der Zeit,
ihre wallenden Roben
von innen angestrahlt,
die verhüllten Häupter
zum goldhellen Gebäude gewandt.

Virtuelle Hände zeichnen
das türkisgoldene Brandenburger Tor
mit Kreide nach und greifen durch Fenster.
Gestaltern erklimmen die Säulen,
bedecken das Tor mit einer Plane,
auf deren Falten ein Auge erscheint:
Mosaike formen sich zu Türkiswellen,
auf denen ein Comicschiff fährt.
Schlingpflanzen ranken die Säulen
empor, bilden Blattgrün und enden
in den Haaren der Medusa, deren
Antlitz sich in Gesichter von Angehörigen
verschiedener Rassen umwandelt -
die Bewohner der diversen Erdteile,
sinnbildlich für die Weltbürger Berlins
und seine multikulturelle Bevölkerung.

Unter Regenbogenlinden flanieren Menschen
zum angestrahlten Regierungsviertel.
wo man von außen
die erleuchteten Etagen
des Kanzleramtes
mit unterteiltem
Neonfensterbogen
erblickt.

Und gegenüber vom Zeughaus
mit dem Museum für Geschichte
erstrahlt die Alte Kommandantur
in intensivem Grasgrün- und Türkisblau.

Blaubunt ragt der Fernsehturm
am Alexanderplatz in den Nachthimmel
und lädt das Publikum
zur visuellen Weltraumfahrt
mit Botschaften aus dem All ein.

Die Marienkirche beim Alexanderplatz
erhält goldumschnörkelte hellblaue Fenster,
das Stadthaus träumt in Blütenblättern
und Blumenmotiven, die Nikolaikirche
erscheint in Smaragdgrün, rosarot und violett.

Grunfontänenbögen
schnellen vom Neptunbrunnen
in lichtgewellte Wasserbecken,
während Menschen auf
den Bänken betrachtend
davor verweilen.
Auch das nahe rote Rathaus
zeigt in dieser Nacht
einen bunten Lichterturm.

Zuschauer verfolgen
den Flug eines Seeadlers
an der Fassade des Marstallgebäudes,
begeben sich zu einem Orang-Utan in den Dschungel
und besuchen Pinguine in der Antarktis.

Das Bode-Museum vermittelt Impressionen
der vielschichtigen Metropole New York.
Seine Lichtfenster werfen helle Bahnen
auf den dunkelgewellten Fluss.
Sanft schwingt sich die Lichterbrücke
zur Museumsinsel über die
abendblaue, goldgestreifte Spree.

Neonhell wird der Berliner Dom angestrahlt.
Projektion gestaltet seine Fassade
zum türkisgrauen Mosaik.
Seine Kuppel erblaut zum Kaleidoskop,
das sich dann in rotgrauen Spiralen dreht.
Lichtpunkte und –streifen wandern flüchtig
über Mauerverzierungen und Simse,
die gold- und rotbraune Töne annehmen,
wechselnd mit grüngrauer Stadtlandschaft
und Gesichtern, die in den Fenstern auftauchen
oder einem mittigen Auge mit Spiralenwimpern.
Bunte Flächen fügen sich zum Puzzle zusammen,
Die Kuppel bewegt sich als reflektierendes Fensterkarussell
oder als waagrechtes Rad mit Personen darauf,
während darunter Windspiele und Lenkräder erscheinen.
Säulen schrauben sich hoch, eine gelbe Lilie erblüht
und verschillert in Regenbogenwellen.
Elf Künstler präsentieren am Dom ihre Lightshows
vor aufmerksamen Zuschauern mit Lichterkränzen
und gezückten Kameras und Smartphones in der Dunkelheit.

Das Palais am Festungsgraben erhält ein neues Outfit
in farbenfrohen Designs diverser Künstlerinnen.
Farbig wird die Geschichte der Humboldt-Universität
am Bauwerk mit Lichteffekten illustriert.
Kindheitsträume erwachen bilderbunt.
Als einzigartiges Märchenschloss
grüßt die Juristische Fakultät
mit Regenbogenmotiven.

Farbenprächtige Lichtprojektionen verzaubern
den Bebelplatz mit Bankhaus Löbbecke
und die St. Hedwigs-Kathedrale.
Die Staatsoper präsentiert sich in goldenem Licht,
in dem sich zwischen Schattensäulen
helle Gestalten bewegen.

Das Europäische Haus am Pariser Platz
flaggt für die 28 europäischen Staaten
auf messingfarbenem und
tintenblauem Untergrund.
Die Botschaft der USA setzt
„70 Jahre Marshall Plan“ bildlich und textlich
mit Farbfeldern und Spruchbändern um.
Indes engagiert sich
die Botschaft von Singapur
mit verschiedenen Collagen
wie Gesichtern, Städten,
Landschaften und Blumen
zum Thema Multikulturalismus.

In Euromünzen auf blauem Grund
badet das Bundesfinanzministerium
Ecke Wilhelm-/Leipziger-Straße.
Auf der Rückseite des Hauses Huth
wird anhand einer Zeitmaschine,
getaucht in violette Blitze,
das Leben Erfinders
Nicolas Tesla dargestellt.

Im Innenhof des Spreebogens
erinnern Lichtinszenierungen
an heldenhafte Menschen
vergangener Tage.

Das Askaniagebäude
in den Hackeschen Höfen eröffnet
Besuchern abends die Welt der Uhren,
denn hier befand sich eine der ältesten
Uhrenmanufakturen Berlins.
In der Mendelstraße verändert sich
ein Baugrund zum Lichtobjekt
verschiedenfarbiger Räumlichkeiten
mit Innenansichten eingerichteter Wohnungen.

Das Museum Lichtenberg
wird in eine Farblandschaft
mit Dorfansicht eingehüllt.
Bunte Kakaobohnen markieren
das Schokoladenhaus
am Gendarmenmarkt.
Am Konzerthaus
auf dem Gendarmenmarkt
taucht der Betrachter
in eine graublaue Unterwasserwelt
abgebildeter Algen
und schwimmender Fischen ein.

In der Kulturbrauerei
an der Schönhauser Allee
scheinen beim Betreten
des Pavegen-Bodenbelags
Lichtflächen auf und
bilden einen farbigen Pfad.

Verlässt man
den U-Bahnhof
Potsdamer Platz,
säumen den Ausgang
und den Platz selbst
Lichterblüten an
grünen Neonstängeln.

Am Potsdamer Platz ragen
Regenbogenhäuser in die Nacht.
Auf dem Potsdamer Platz können Besucher
über eine abgebildete Blumenwiese streifen,
und weiße Hasen symbolisieren den
menschlichen Eingriff in die australische Natur
durch die Aussetzung dieser europäischen Tierart.

Im baumgesäumten Pianosee
ruht der Goldglanz der Ufergebäude.
Später tummeln sich dort
sich zahlreiche Leuchtschiffe
auf farbig glänzenden Wellen,
und der Springbrunnen sprüht
lilaschäumende Fontänen
in nächtlichen Lichterzauber.

Fliederblumen erwachsen
über der Einkaufspassage.
Neonfiguren zwischen
violetten Flächen
weisen den Weg
zum erleuchteten
Einkaufszentrum.
In den Shopping Arkaden
hängen goldene Lichterketten
von der Decke und verzaubern
diese in einen Märchenpalast.

Die Mall of Berlin empfängt Besucher
mit illuminierten Bildfolgen.
Am Leipziger Platz
träumen Gebäude
in freundlichem Türkisschein,
davor kontrastieren
schwarzschattende
Nachtbäume.

Unter violetten Lichterbäumen
der Varian-Fry-Straße oder
unter der grünscheinenden
Allee der Alten Potsdamer Straße
gelangt man zum Cinemaxx,
zur Berliner Spielbank
und zum Adagio-Nightclub
mit blauem Lichtbogen
über dem Einlass
am Marlene-Dietrich-Platz.

Im Märkischen Viertel strahlt ein
blaugrünes Auge durch dunkle Wimpern:
Bauillumination eines rosa angeleuchteten
Hochhauses in städtischer Oktobernacht.
Oder ein Leuchtschmetterling
scheint von einer Schattenfassade
in die Dunkelheit zu entschweben.

Ein Smaragdweg führt zum
blauen Faunenbrunnen
und Lichtinstallationen
auf dem Stadtplatz
im Märkischen Zentrum,
Menschen magnetisch anziehend,
die gerne bunte Reflektionen
im Wasser betrachten, während
im Hintergrund goldgrün
beleuchtete Bäume
ein romantisches
Straßenbild erzeugen.

Am Zoologischen Garten
erwacht der steinerne
Ammonitenbrunnen
zu buntem Nachtleben.

Goldwarmes Licht
verbreitet eine Laterne
am gelbbeschienenen
Eingangstor zum Zoo,
flankiert von Steinelefanten.

Kobaltblau glühen die Mosaikfenster
der Gedächtniskirche in die Nacht,
gelb deuten ihre Zifferblätter
vom schattendunklen Turm.

Am Breitscheidplatz hängen
honiggelbe Lampions
in rostbraunen Platanen,
wo Menschen unter Herbstkronen
an erleuchteten Ständen Imbisse
und Getränke in lauer Herbstnacht
unterm Oktobermond zu sich nehmen.

Als neonblaues Wahrzeichen
prangt der Mercedesstern
des Berliner Europa-Centers
über Ku'dammlichtern
und flanierenden Menschen.

Verschiedene Projektionen
überziehen das Kaufhauses des Westens,
während vor dem Eingang
Damen in langen,
lichtbesetzten Gewändern
für Zuschauer tanzen.

Der Ku'damm bildet eine
einzige Lichtermeile
mit bunten Fassaden
gesäumt von
Regenbogenbäumen.

Am Ernst-Reuter-Platz
heben Scheinwerfer
bunte Stabbündel
leuchtend hervor,
und zitronenfarbene Teller
schweben auf blauen Neonstäben
über herbstlichem Schattenrasen.

Besondere Überraschung:
Ein Regenbogenfisch
scheint im Nachtmeer
zu schwimmen und
wirft einen schwachen
bläulichen Schein auf den Boden.

Auf der Straße des 17. Juni
bewegt sich ein mit Lichterketten
behängter Skater, umringt
von einer Zuschauermenge,
auf die grüne Strahlen projiziert
werden, nachdem Gestalten
im Lichtnebel erschienen sind.
In diesem Smaragdflair
nimmt sich auch die Siegessäule
gegen den Nachthimmel aus.

Goldgelbe Zelte unter
Regenbogenbäumen
bieten Speisen und Getränke
zu diesem Lichtwunder an.

Schloss Charlottenburg versinkt
in einen Lichtertraum.
Besucher erleben
ein Farbenmärchen
aus tausend und
einer Berliner Nacht.

Schlank geschwungen
erhebt sich der Funkturm
in die Berliner Nacht
über das Lichtermeer der Stadt,
ein abschließender Punkt
des Festivals of Lights,
welches die Stadt in
romantische Atmosphäre versetzt.

Und im nächstjährigen Herbst
erfreuen Berliner und Touristen
wieder neue Regenbogenträume.

© Inge Hornisch

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Heike und die Elfe von Ingrid Hanßen



Da ich der Meinung bin, dass die Kinder heute viel zu wenig lesen ( sehe ich bei meinen 11 und 13 ), habe ich mir Gedanken gemacht, was man machen könnte um dieses zu ändern.

Es ist nämlich nicht so, dass die Kinder lesen grundsätzlich "doof" finden, sondern, dass die bisherigen Bücher ihnen zu langweilig sind. Es ist ihnen in der Regel zu wenig Abwechslung und Aktion drin und ihnen fehlt heute leider die Ausdauer für einen reinen "trockenen" Lesestoff.

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