Hans-Werner Lücker
Ich sehe
Ich sehe
Ich sehe noch das kleine Kind,
als sei ’s grad gestern erst gewesen.
Es fragt die Mutter ernst beim Lesen,
ob Tote wirklich Engel sind.
Es hofft, dass sie bei Gott genesen.
Ich sehe noch den jungen Mann,
dem grad’ sein erstes Kind geboren.
Er fährt vor eines Friedhofs Toren,
und zieht im Auto Schwarzes an.
Er hat den Großpapa verloren.
Ich sehe noch den reifen Mann
in seiner Mutter letzter Stunde.
Es brennt in ihm die größte Wunde,
die einen Menschen schmerzen kann.
Er schmeckt das Salz in seinem Munde.
Ich sehe schon den müden Greis,
gebückt vor einem blinden Spiegel.
Er greift in einen schwarzen Tiegel
und schminkt die Haut in mattem Weiß.
Er selbst bestimmt des Todes Siegel.
copyright H.W.L. Prolog aus dem neuen Buch "Meine Lebensgedichte"

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.12.2017.
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