Horst Fleitmann

Dichter im Delirium

 
Ein Dichter, froh und heiter, hatte sich eingerichtet 
zu Reimen lustig weiter, was er schon „angedichtet“ 
Seit Stunden sinnend saß er, recht lange schon daheim, 
da kam der Blitzgedanke mit dem gesuchten Reim. 

Er sucht sich zu beeilen den Vers nun zu vollbringen 
doch hörte er – hundsgemein – die Haustürschelle klingeln. 
Ein Freund stand vor der Tür, bat fröhlich ihn zum Bier 
„Heut´ nicht“, sagte der Dichter „ich möcht´ jetzt dichten hier“. 

Der Freund, sonst gern gesehen, wär´ momentan nur Last, 
der Dichter würd´ gern dichten und das ganz ohne Hast. 
Doch dann: der Reim war weg, der ganze Blitzgedanke. 
Die Dichtkraft ging ihm aus, wie Autos vor der Schranke. 

„Vielleicht“ dacht er für sich, ´fehl´n nur Inspirationen. 
Die kann man sicherlich, im Wirtshaus auch sich holen. 
Der Freund, der klingelnd ihm, den Geistesblitz abschoss, 
saß schon beim zweiten Bier, das dieser wohl genoß. 

Was soll´s, dachte der Dichter, und machte es ihm gleich. 
Er saß dort viele Stunden und trank´s Gehirn sich weich. 
Urplötzlich, spät am Abend und zwei Promille weiter, 
Da kam zurück der Vers noch lustiger und heit´rer. 

Schnell nahm er einen Zettel und einen Stift zur Hand, 
schrieb auf den Blitzgedanken, bevor der wieder schwand. 
Mit Dichterstolz ging er nach Haus, so gänzlich ohne Sorgen 
Der Vers war da, jetzt wird das Werk! Er freut´ sich auf den Morgen 

Ernüchtert, spät am nächsten Tag kramt er nach seinem Wisch. 
Er liest das Kauderwelsch darauf, nur, er versteht es nicht: 
"Plakum der vohl die klemen tran ob sufgen oder ranpig 
De sonnenkluf fe unskeram dat kummt in dre pomazig". 

Der Suff hat sowohl Sprachgewalt wie auch die Ausdruckskraft 
mit zwei Promille fast im Blut, einfach dahingerafft. 
So konnte er den eignen Vers, die Blüte seiner Kunst, 
nicht nutzen für das neue Werk.  Es bleibt verborgen uns.

 © Horst Fleitmann 1/2018

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