Manfred Sander

Das Osterschokoladenei

Ich bin ein Schokoladenei und innerlich am Beben,

denn dieses schöne Osterfest werd‘ ich nicht überleben.

Man legte mich in einen Schrank, ich kann kaum etwas sehen,

drum fühle ich mich schwach und krank, mein Gott, was wird geschehen.

 

Zu meiner Rechten groß und rot mit bitterböser Miene

teilt hier mein Schicksal und die Not ‘ne fette Apfelsine.

Zu meiner Linken schwach zu seh‘n ein Päckchen Zigaretten,

ob die wohl Ostern übersteh‘n, d‘rauf würde ich nicht wetten.

Im Hintergrund, fast ganz versteckt, von herrlicher Gestalt,

erkennt man eine Flasche Sekt, jung, spritzig und auch kalt.

 

Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf, es mußte ja so kommen,

denn plötzlich geht die Schranktür auf, mir wurd‘ es ganz benommen.

Ein Frauenkopf schaut zu uns rein, ein Arm hinein sich streckt,

und holte sich, als müßt‘s so sein, die arme Flasche Sekt.

 

Die Schranktür ging dann wieder zu, ich konnt‘ mein Glück kaum fassen,

es kehrte ein vollkomm‘ne Ruh, man hat mich leben lassen.

Doch kurz nur währte meine Freud‘, ihr könnt‘ es hiermit wissen,

da wurd‘ die Schranktür dann erneut von einem aufgerissen.

 

Und dieses Mal war es ein Mann, der mich so sehr erschreckte,

es waren die Zig‘retten dran, wonach der Arm sich streckte.

Dann wurd‘ es endlich ruhig im Haus, man ist zu Bett gegangen,

doch früh am Morgen, welch ein Graus, hat‘s wieder angefangen.

 

Dem Sohn des Hauses ging‘s nicht gut, er brauchte Vitamine,

drum holte er mit inn‘rer Wut vom Schrank die Apfelsine.

Jetzt fühlte ich mich ganz allein von aller Welt verlassen,

die Gattung Mensch ob groß, ob klein, begann ich sehr zu hassen.

 

Doch kurz nur war die Einsamkeit, dann war‘s um mich geschehen,

die Tür ging auf in voller Breit‘, ein Mädchen konnt‘ ich sehen.

Zwei große Augen voller Gier, sie sahen stier mich an,

und alle Sinne sagten mir, jetzt bist Du wirklich dran.

 

Ich fühlte noch den letzten Weg vom Schrank bis in den Mund,

und dann hinab den dunklen Steg bis in des Mädchens Schlund.

Doch dieses Schicksal ist nicht neu, man kann es klar jetzt sehen,

daß jedem Schokoladenei wird‘s einmal so ergehen.

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