Hans-Juergen Ketteler

Das waren noch Zeiten. Meine Tochter und ich.


Meine Tochter wollte nie verzichten
auf Papis Gutenachtgeschichten.
Sie ging des Abends nicht ins Bett,
bevor sie dies´ Versprechen hätt.

So las ich ihr fröhlich und munter
die Märchenbücher rauf und runter.
Von Grimm, Andersen und Hauff
hatt´ ich das ganze Pensum drauf.

Doch mit der Zeit die Kindheit wich
und auch die Bücher ändern sich.
Doch Lesestunden mit dem "Alten"
die haben wir uns stets erhalten.

Das ging so bis zum 16. Jahr,
auch als sie schon ein Teeny war.
Ich las ihr vor von Günter Grass.
Und dabei fand ich´s ziemlich krass.

Sie hörte mir zwar zu wie immer
in ihrem hübschen Kinderzimmer.
Doch störte mich bei dem Anettchen
der Kerl in ihrem Heiabettchen.

Seitdem war´n ohne viel Bohei
die Vorlesstunden auch vorbei.
Der "Kerl" ist, ach ihr ahnt es schon,
inzwischen auch mein Schwiegersohn.

Er bietet froh seinem Anettchen
den Buchgenuss im Heiabettchen.
So zeigt sich, dass die Tradition
beginnt im Kindesalter schon.

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