Monika Litschko

Dracula

„Ich mache mir jetzt Menschen klar,“ kichert Opa Dracula.
„So ganz feine und auch Zarte. Nicht so Alte und ganz harte,
deren Blut zu schnell verkrüstelt, wenn es mich grad arg gelüstelt.
Die zarten Feinen sind so lecker. Ach was stört mich das Geklecker,
wenn ich zärtlich sie dann beiße, ihr Blut dann schlürfe, das ganz heiße.“

Der Sarg springt auf, er schwebt heraus und reißt sich seine Augen aus.
„Oh, was kann ich heut‘ schlecht sehen, sollte mal zum Doktor gehen!“
Schleckt dann über seine Augen, die beim Schlecken heftig stauben,
und drückt sie dann mit einem ploff in seinen weißen kahlen Kopf.
Die Finger krumm, der Blick verwirrt, so ist der Opa abgeschwirrt.

Die Nacht ist dunkel und auch kalt. Jeder Flügelschlag, er hallt.
Es fällt ihm schwer, so rumzuflattern. Das tote Herz, es ist am Rattern.
Der leere Darm, wohl voller Luft, verteilt gemächlich Leichenduft.
Zwanzig Vögel in den Gauben fielen prompt vom Vogelglauben,
da im Schlaf sie ganz verneblet, auf den Boden sind gesegelt.

Die Fenster zu, die Straßen leer, Graf Dracula, der kann nicht mehr.
„Palim Palim, ich brauche Blut, dann geht es mir auch wieder gut.
Wo seid ihr denn ihr guten Leute? Habt wohl geschlossen und das heute.
Gerade heut‘ gefällt mir nicht, dass schläft und schnarcht, mein Leibgericht.“
Er fliegt zurück und in der Not, saugt er genervt am Blutwurstbrot.

©Monika Litschko



 

 

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