Brigitte Waldner

Beliebte Herde


Man war auf dem Begräbnis
von einer von den Tanten,
es heulten sich die Augen rot
die meisten der Verwandten.

Es war wohl ein Erlebnis,
als sie vor einem standen,
man wurde ignoriert, wie tot,
als ob sie einen nicht erkannten.

Schon seit dem Tod der Großeltern
war man entzwei gespalten,
ganz nutzlos war ihr Erbepoltern,
ihr Häuschen zu erhalten.

Man brachte einen Rosenkranz,
ein Ärgernis für viele,
es gab ja nur die eine Chance,
dabeizusein zum Ziele,

die ganze Herde mal zu sehen,
und es war wunderschön,
die weißen Schafe zu erspähen,
in Schwarz mal mitzugehn.

Sie weinten sich die Augen aus,
man trug ein stilles Lächeln,
man durfte nicht zum Leichenschmaus,
ach, wie die Weißen schwächeln.

Das schwarze Lamm ging wieder heim,
zog an die weiße Weste,
es mag auch gern ein weißes sein,
das ist ja auch das Beste.

© Brigitte Waldner


Anmerkung: Die 1. Version war:

Mein Rosenkranz

Ich war auf dem Begräbnis
von einer meiner Tanten,
es heulten sich die Augen rot
die meisten der Verwandten.

Es war wohl ein Erlebnis,
als diese um mich standen,
sie ignorierten mich, wie tot,
als ob sie mich nicht kannten.

Als Erbin meiner Großeltern
verhassen sie mich alle,
und konnten gar nicht poltern,
in einer Auferstehungshalle.

Ich gab ja einen schönen Kranz,
ein Ärgernis für viele,
es war für mich die erste Chance,
dabeizusein zum Ziele,

beliebtes Volk einmal zu sehen,
und es war wunderschön,
die weißen Schafe zu erspähen,
als schwarzes Lamm zu gehen.

Sie weinten sich die Augen aus,
mich trug ein stilles Lächeln,
ich durfte nicht zum Leichenschmaus,
ach, wie die Weißen schwächeln.

Das schwarze Lämmchen ist daheim
und schreibt jetzt ein Gedicht,
es mag ja gern alleine sein,
was anderes kennt es nicht.

© Brigitte Waldner

Aktuelles Foto: © Brigitte Waldner „Mein Rosenkranz“
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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