Michael Reißig

Am Sonntag vor der ersten Kerze im Advent

 
Zahllose Augenpaare
In Gedanken versunken
Sich verneigend
Vor der Lebenskraft aus Liebe
Verbeugung über dem Kranz
Voll Zweigen göttlicher Ehrfurcht 
Aus der Barmherzigkeit 
Für das Universum Ewigkeit


Verschlungene Blicke
Dem windigen Schein
Der "Unantastbarkeit" witternd
Die Würde der Verstorbenen
Dem Schimmel des Kommerzes geopfert
Sühne nebst Macht
Vereint im selben Boot
Wo Himmel und Hölle
Auf Augenhöhe sich zerreiben


Aus den Tiefen brüllt drohend
Ein reißender Strudel  
Wartend auf das Leck
Am Firmament ein sanftes Glimmen
Der ersten Kerze zum Advent
Die Güte einer wahrer Liebe 
Unter dem Stein aus Demut gehärtet
Im Boot sich stemmend
Den Goldrittern entgegen
Ungestüme Wellen, getrieben von Zwängen
Glaubend an ein Wunder nach dem Traum



 








 

Auch das Feld des Sterbens und der Trauer haben
windige Geschäftemacher längst für sich entdeckt.
Mit meinen Gedankensplittern, die ich dem
anstehenden Totensonntag gewidmet habe, möchte ich
die aufrichtige Trauer mit der kommerziellen Form
der Trauer in Verbindung bringen und dabei
gleichzeitig die Gefahren für unser Leben auf Erden
insgesamt nicht außer Acht lassen. Bewusst habe ich
aber auch eine Brücke aus Hoffnung zur in Kürze
folgenden Adventszeit geschlagen!
Michael Reißig, Anmerkung zum Gedicht

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