Brigitte Waldner

Nachbars Rudi kam bei Nacht


Das hätte man sich nicht gedacht,
der Nachbars Rudi kam bei Nacht,
er stieg beim Küchenfenster ein,
und schlich sich vor zur Wendeltreppe,
die Stufe knarrt bei jedem Tritte,
Brigitte war allein daheim.

Durchwühlt den Raum im ersten Stock,
drauf hat er jährlich öfters Bock,
neun Jahre lang brach er so ein,
Brigitte lag oft wach im Bette,
und hört den Kerl. Der viel zu fette
Ganove kann gefährlich sein.

Das Opfer hat es nicht kapiert,
was vorgeht und noch vorgehn wird,
vier Katzen sind bei ihr im Haus,
und diese machen auch Geräusche,
das führte zum Hinweggetäusche,
und Rudis Einbruch kam nicht raus.

Brigitte lag es im Gefühl,
dass einer war, der geistern will,
die Türen waren zugesperrt,
sie konnte nachts dann schlechter schlafen,
der Nachbars Rudi hatte Waffen,
sie hat sich lieber nicht gewehrt.

Und es geschah nach Mitternacht,
der Rudi kam und hat gemacht,
er scheute wohl den Blickkontakt,
durchwühlte jeden Zentimeter,
nach einer halben Stunde geht er,
mit einer Tasche vollgepackt.

Das Fenster schließt er innen gut,
er geht zur Tür, der Schlüssel tut,
was er dem Schlüssel jetzt befiehlt,
er öffnet ihm die Türen,
das kann zum Irrtum führen,
dass man den Dieb für Geister hielt.

Brigitte, die den Geist nicht sah,
sah Rudi, der im Garten war,
dass er auch einstieg in ihr Haus
und Schlafmittel in Speisen rührte,
das dann zu Müdigkeiten führte,
kam ein Jahrzehnt nicht raus.

Der Räuber, kriminell begabt,
ein Profi, wird ihm nachgesagt,
kam immer öfters auch am Tag,
aus Roma-Wurzeln soll er stammen,
man kann vor ihm nur warnen,
Was keiner wohl recht glauben mag.

Er stellt das ganze Haus am Kopf,
rührt Gifte ein in Suppentopf,
das Räubertrio werkt perfekt,
die Nachbarn werden immer dreister,
Brigitte glaubt nicht mehr an Geister,
und hat es endlich aufgedeckt.

© Brigitte Waldner

Foto: (c) Brigitte Waldner "Wolke über dem Tal"

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