Martin Jungeblut

Der eitle Strauch

Unter der heißen Sonne Afrikas
ein Strauch einst in der Erde saß.
Und den ganzen langen Tag
faulenzte und nichts andres tat
als ein kleines bisschen Photosynthese.

Doch tief in seinen Wurzeln tat es einen Stich,
denn immer wieder sagt die Pflanze sich,
sie brächt' nur fades Grün zur Schau -
mit Verlaub - sie war ein eitler Pfau,
wolt sein ein Gewächs von edler Lese.

Und als solches ziemt es sich zu glänzen,
das Blattwerk mit Farben zu umkränzen.
Nach Beeren gelüstet es dem Strauch,
und nach langen Jahren kriegt er auch
sie geschenkt von Mutter Natur.

So steht im warmen Sonnenlicht nun stolz
der eitle Strauch in seinem Holz
behängt mit leuchtend roten Beeren,
die ihm reichen zu den höchsten Ehren
und unterstreichen seine edle Statur.

Und wie sie sich sonnt im eig'nen Ruhme,
Kriecht ein Schmarotzer schon empor die Blume,
den es zu den leuchtend' Beeren zieht.
Und eh der dumme Strauch sich recht versieht,
rücken Käfer seiner Pracht zu Leibe.

Erst ein Störenwicht, dann zwei, dann immer mehr
fallen über seine geliebten Beeren her
und fressen sie ihm von den schweren Ästen,
lassen sich mit Beerenkernen mästen,
bis kaum eine Kugel noch am Triebe.

Da versteht der Strauch keinen Spaß und sieht rot.
Sinnt, was soll er tun, und in seiner Not
bat er einmal mehr die Mutter Erde:
Sie mög ein tödlich Gift ihm mischen,
das ihm hälf, die Plage zu erwischen.

Die Gute lässt vom Klagen sich erweichen,
heisst ihn eine Droge auf die Beeren streichen,
als schon der nächste Käfer empor zum Blatte klimmt
und einen tiefen Happen von 'ner Beere nimmt -
unbeeindruckt fröhnt er seinem Mahl.

Doch ohne Warnung hält er plötzlich inne,
greift schmerzvoll sich zum Herzen hinne
und kippt tot hinab vom Beutestrauch,
liegt alle Sechse von sich regungslos im Staub.
Und endlich lichtet sich der Räuber Zahl.

Nun endlich kann die Pflanze wieder
ungestört sich sonnen im Prachtgefieder
und zeigen aller Welt ihrer Beeren Funkeln.
Da, mit einem Male, wird's um die Pflanze dunkel
Aus schönem Traume wacht der eitle Strauch.

Ist's Gefahr? Wer steht ihm in der Sonne?
Ein Bewund'rer seiner Beerenwonne?
Oder ein neuer Feind? Ha, der soll dann seh'n,
wie das Gift ihn kommt zu steh'n -
liegt tot ihm bald zu Füßen auch!

Der Schatten beginnt zur Pflanze sich zu bücken..
und frißt gar nicht, beginnt dreist herumzupflücken!
Und bald sind alle Beeren abgepflückt.
Der arme Strauch bleibt kahl und ungeschmückt
zurück und weiß sich keinen Rat.

Fortan wiederholt sich diese üble Tat:
Kaum dass neue Beeren er gebildet hat,
büßt gleich der Strauch sie wieder ein.
Und das Gift scheint ihm keine Hilfe mehr zu sein,
kein Kraut er gegen diesen neuen Räuber hat.

Wie kann der arme Strauch auch ahnen,
dass seine Frücht' zu großem Ruhme kamen:
Geröstet, gemahlen und gebrüht
ist seit langem Kaffee schon berühmt -
weil Menschen sich am Koffein berauschen.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Martin Jungeblut).
Der Beitrag wurde von Martin Jungeblut auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Felix auf Reisen von Silvia Möbius



Eine Abenteuergeschichte aus der Sicht einer 1 Euromünze, die den Namen Felix trägt. Er und viele andere Münzen und Geldscheine erleben so manches auf ihrer Reise durch Geldbörsen, Registrierkassen , Sandstrände und vielem mehr. Felix ist für Kinder ab ca. 6 Jahren, aber auch Eltern und Großeltern werden ihren Spaß daran haben ihn zu lesen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Natur" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Martin Jungeblut

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

In Vino Veritas von Martin Jungeblut (Satire)
Hamamelis von Heino Suess (Natur)
Eiserne Regel zum „Länger Leben“ von Heino Suess (Drogen & Sucht)