Jürgen Skupniewski-Fernandez

Da war noch Sonntag in seinem Herzen

Da war noch Sonntag in seinem Herzen,

im Wartesaal; gedankengefangen sitzend,

wartend auf alten Eichenholzstreben

bis der Zug einfährt.

 

Die Tür hat keine Griffe mehr, nur ein Druck

bedarf es noch, Gemeinschaftsabteil, vorreservierter

Erste Klasse Sitzplatz - fünfundsechzig.

 

Er wollte alles zurücklassen: Seinen Zorn, seine

Enttäuschung und auch seine Tränen.

Die Jugend winkte ihm noch durchs Fenster zu.

 

Doch seine Einsamkeit wird die Reise nicht besiegen.

Das tat sie auch nicht am nächsten Morgen,

als die Sonnen flammendhell durch Nebelschwaden

aufs kristallklare Wasser der Flüsse fiel.

Siebenmal fließt es aus, bis es des Hades Nacht verschlingt.

 

Einmal - einst lebte er wie Götter, nun bedarf es jetzt nicht mehr,

überraschte ihn ein Hölderlin.

Tag meines Lebens gen Abend geht’s, schon glüht dein Auge

halbgebrochen – kam es ihm wie Nietzsches Sonne vor.

 

Wo Goethes Abendsonnenflügel sich vom Boden heben,

und das Ziel, dass liegt noch vor ihm.

Damals trug er Lichtgewandt, als er am Boden eingewurzelt,

und noch nicht ein Federkleid - wohin ihn auch Flügel tragen.

 

Im Diwan liest er dem Himmel gleich,

lässt sich von der Zeit in unbekannte Räume führen.

Am Fensterplatz im Lichtabteil,

die schweren Lider klagen.

 

Da war noch Sonntag in seinem Herzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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