Aylin

Pöttekieker

Pöttekieker

 

AKK – das hört sich so an wie eine Luxusserie von Kochtöpfen mit Druckausgleich und Dämpfsieb. Töpfe. mit denen selbst der Dümmste kochen kann, in denen nie die Sauce anbrennt und von deren Rand sich jeder Fleck abwischen lässt, um spurenlosen Glanz spiegeln zu können.

Die ganze Familie wird mitgenommen. Der junge Bengel, der auf Figur und äußerliche Wirkung achtet. Da passt kein Span zwischen Gürtel und Hose.

Der eher empathielos wirkende, leicht patriarchalische Papa, der jeden Sonntag seinen Gulasch haben will und ansonsten hauptsächlich die Börsenkurse liest.

Bilderbuchkarriere, ein Topf mit vielen Deckeln, der immer eine Nasenlänge voraus ist.

Blank geputzt von allen Muddis oberer Schichten, die selbst mit drei Kindern Beruf und Karriere problemlos miteinander verbinden können. Bieder, verlässlich und echte deutsche Wertarbeit. Ein super ehrliches Weihnachtsgeschenk für jeden in diesem Land. Ein Muss sozusagen. Wie sagen die in den Verkaufsfernsehsendern immer? Ein echtes IT-piece.

Was fürs Leben, mindestens für die nächsten achtzehn Jahre.

Auf den Herd mit Induktion gehievt, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen, von Schwiegermuddi, tritt dieser Topf nun an, die Suppe herunterzukochen, die diese angerührt hat.

AKK- alles andere als Gretchen, eher Angie, äh, Anni Karriere, Kirche , Kinder.

 

Die Homo-Verheirateten dürfen am Tisch leider nicht mitessen. Auch die Ärztinnen, die abtreiben, nicht. Das würde dem christlichen Nächstenbild von AKK nicht entsprechen. Was oder wer aber ist denn ein christliches Vorbild? Die erzkatholische Kirche, die es bis heute nicht schafft, zu ihren Mißbrauchsverfehlungen zu stehen? Wie viele sind denn in Deutschland praktizierende Katholiken? Die Mehrheit sind doch Atheisten, Andersgläubige oder Protestanten. Back to the roots? Erzkatholisch und hinterm Mond?

 

In diesem Suppentopf schwimmen bestimmt noch Markklößchen, selbst gemacht natürlich.

Solch einen Klops musste auch Merz schlucken. Er hatte außer Topfschlagen auf Aluguss nicht viel zu bieten. War wohl zu lange raus aus der Suppenküche, ihm fehlte das Fingerspitzengefühl für die richtige Würze.

Pikant jedoch der zweite Wahlgang und das Angebot, weiter mitkochen zu dürfen. Zum Zwiebelschneiden in Muddis Kochkabinett war er sich aber zu schade, machte auf Black Rock , lächelte und dachte:„Dann erstickt doch an eurer (Ucker)Marksuppe. Ich hasse Markklößchen. Schon immer!“

Wer nun nicht verstehen will, dass ein Klassebraten besser im Gusstopf schmort als im Luxus-Alu-Topf, der braucht sich hinterher auch nicht über die Haare in der Sauce beschweren. Für alle Delegierten und die, die es werden wollen: Bon Appetit.

Und Muddi macht die Raute, lächelt, schlemmert ein Markklößchen und weiß:

Niemals geht man so ganz! Wenn man den Deckel schön drauf hält.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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