Inge Hornisch

Verschneites Marseille

Winter überzieht Platanenäste
mit feinen Puderlinien,
sich über weiße Straßen neigend,
auf denen Leute mit aufgespannten Schirmen
zum Schutz vor tanzenden Flocken gehen.
Sternensimse zieren hohe, dunkle Häuser,
selbst die Tram fährt hellmützig vorbei.
Menschen befreien parkende Wagen
von der Schneelast der Nacht,
Kinder fahren Schlitten auf
abschüssigen Straßen der Altstadt,
die sich in Rutschbahnen verwandelten.
Im Hintergrund stehen Bäume im Winterkleid.
Flockendächer breiten sich
zahlreich unterm Grauhimmel,
kuscheln sich an den Kapellenhang.
Morgenweiß umrahmt der Hafenkai
Schiffe mit Sternmasten im bleifarbenen Wasser.
Ein Schneemann mit Apfelsinenaugen
lächelt vorübergehenden Passanten zu.
Vereiste Kaskaden verzieren Brunnentreppen,
Unter weißer Spitze träumen Laternen,
glitzern Palmen als Kristallwedel
im sonnengoldenen Winterlicht.
Die Halbmondstrände am Stadtrand
gleichen silbernen Sicheln,
umgeben von Flockenfelsen
mit weißbestäubtem Piniengrün.
Marseille im Schnee, winterverzaubert,
als habe eine Nachtfee Sterne
vom Himmel heruntergeholt.

© Inge Hornisch

 

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