Jürgen Wagner

Ist das Leben ungerecht?

 

Wenn Stürme über Felder jagen

Und Eiswind fegt durch Wald und Haus

In solchen harten Wintertagen

Sah man der Götter wilder Braus

 

Sie holten sich manch arme Seelen

Ob Mann, ob Frau, ob kleines Kind

Manchmal, da ließen sie noch wählen

Doch meistens ging es zu geschwind

 

Und himmelwärts sind sie gefahren.

So ging ein Bauer einst nach Haus

Mit drei Sack Mehl auf seinem Wagen

Und hielt den Weg geradeaus

 

Die Luft war voll Gebell und Heulen

Frau Frigg, die hatte er im Sinn

In seiner Angst tat er sich beugen

Und warf sein Mehl den Hunden hin

 

Die Hunde haben es gefressen

Der Wind nahm alles, alles mit

Zuhause gab’s nichts mehr zu essen

Und keiner hatte Appetit

 

‚Sind Deine Säcke leer geworden‘

So sprach zu ihm die Ehefrau

‚So wirf sie hin mit deinen Sorgen!‘

Er tat es – und im Morgentau

 

Da standen sie gefüllt am Hause

Sie staunten über dieses Glück

"Nimmt Dir ein Gott etwas im Brause

Gibt er‘s dem Bittenden zurück"

 

Anm.: Im Zuge der Christianisierung traten die alten Götter langsam zurück, aber nicht ganz. Der schamanische Allvater Odin und seine seherische Frau Frigga erschienen den Menschen weiterhin: in den rauen Winternächten, besonders zu der heiligen Zeit der 12 geweihten Nächte waren sie mit den Hunden und toten Seelen unterwegs. Denn in dieser Zeit starben etliche, die diese Kälte und Not nicht aushielten - und so wusste man, dass die alten Götter, wenn sie sie mitnahmen, doch auch für sie im Totenreich sorgten. Aber man fürchtete sie sehr, den Wode und die 'alte Frick' - doch ein paar Sagen wussten auch noch um den Segen Gottes, wenn man sich angemessen verhält.

 

Bild: Maria Khan

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Wagner).
Der Beitrag wurde von Jürgen Wagner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Jürgen Wagner:

cover

Bäumen begegnen / Mein Freund, der Baum: Baumgedichte von Jürgen Wagner



Es wächst ein neues Bewusstsein heran, dass Bäume nicht nur Holzlieferanten sind, sondern Lebewesen mit einer Eigenart, einem sozialen Netz und einem inneren Wissen und Fähigkeiten, das wir noch gar nicht kennen. Zusammen mit Bildern und Informationen würdigen die Gedichte die Bäume in ihrer Art und ihrem Wesen und können durchaus eine Brücke der Freundschaft zu ihnen sein.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Winter" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Jürgen Wagner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Edward Snowden von Jürgen Wagner (Gesellschaftskritisches)
Novemberlicher Flockenzauber von Michael Reißig (Winter)
H (wie Humor und H. Heine) von Heino Suess (Dankbarkeit)