Jürgen Wagner

DAS MÜHLENLIED

 

In Gotland war’s, zu alten Zeiten

Der König Frodi herrschte dort

Er kaufte sich zwei starke Frauen

Und Mühle Grotti – die sofort!

 

Menja und Fenja mussten mahlen

Fast ohne Ruh von früh bis spät

Nur während eines Liedes Dauer

Da hat das Rad sich nicht gedreht

 

Reichtum, Glanz und Macht und Freude

Das mahlten sie den ganzen Tag

Der König war ein großer Herrscher -

Die Arbeit eine große Plag

 

Er konnte nicht mehr innehalten

Er wollte mehr und immer mehr

Noch schneller sollte sie sich drehen

Das Mühlrad knirschte bereits sehr

 

Und sie, die vom Geschlecht der Riesen

-Zu kämpfen waren sie gewohnt -

Des nachts begannen sie zu singen

Und mahlten, mahlten, dass sich’s lohnt

 

Den ganzen Kummer ihrer Seele

Der floss in ihre Arbeit ein

Die Mühle hörte es und mahlte

Die ganzen Herzenswünsche rein:

 

Das Unrecht, das sie hier erlitten

Die Habgier, die kein Ende nahm

Sie brauchten nur zu sprechen, bitten

Die Gerechtigkeit, die kam!

 

Ein Feindesheer, das ist gekommen

Und hat den König umgebracht

Die Mühle haben sie genommen

Und reiche Beute noch gemacht

 

Auf hoher See befahl der Herrscher

Er wolle Salz, das ohne End -

Da schließlich ist sein Schiff gesunken.

Die Mühle, die kein Mensch mehr kennt

 

Die mahlte unverdrossen weiter

Dort unten, auf dem Meeresgrund

Bis heute ist sie so am Werke

Und salzt die See – und unsern Mund

 

 

Das magische Grundmotiv der altnordischen Sage Grottasöngr (Das Lied Grottis) hat sich in einigen Volksmärchen erhalten (Die Mühle, die auf dem Meeresgrund mahlt; Der süße Brei). Dass ein ganzes Reich zugrunde gehen kann an der Habgier eines einzigen Herrschers, ist eine Aussage, die sich nur im Original findet, das im Dänemark zur Zeit des römischen Kaisers Augustus spielt. Auch Frodi galt als ein König, der ein Reich des Friedens und Wohlstandes regierte. Bis ein Seekönig dem ein Ende machte ... .

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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