Horst Fleitmann

Rückschauende Zukunftsprognose

In sechzig Jahr'n am zweiten Mai
beschließt man auf der Welt:
Die Enge, Hitze, Quälerei
sei nun mit einem Schlag vorbei,
weil man's für nötig hält.

Die Erde wär', was jeder weiß,
seit ewig langer Zeit
zu unergiebig und zu heiß.
Trotz Weltbeschluss und großem Fleiß
herrscht Hunger, Durst und Neid.

Die Menschheit wird nun reduziert,
besagt ein Wunsch der Oberschicht.
Logistisch plant man, wer krepiert,
ab vierzig wirst zum Tod chauffiert.
Wer Geld hat und regiert - stirbt nicht.

Nach Afrika geht der Transport.
Dort endet leicht man, garantiert.
Der Menschenmüll wird nicht entsorgt,
er kommt zurück als Reimport.
Der Aschenhandel explodiert.

Die Erde zeigt sich wieder schön
man hat sich endlos Platz gemacht.
Bald kann man hundert Meter seh'n.
und will der Smog von selbst nicht geh'n,
wird per Dekret er abgeschafft.

Noch immer gibt es nichts was kühlt
Die Hitze bleibt der Hunger wächst
Sehr viele haben's gleich gefühlt:
Die Falschen wurden fortgespült
die Welt erscheint jetzt wie verhext.

Vereinzelt noch kommt Freude auf
weil hier und da ein Baum-Rest steht.
Wer weiterlebt der macht sich auf
und freut sich irgendwie darauf
ihn mal zu seh‘n, wenn‘s eben geht.

Die Baumbesitzer-Industrie
jahrzehntelang nur ein Verlust,
macht Kohle nun wie bisher nie
bietet auch Speisen und Logis
zur Baumbeschau mit Reiselust.

Am End‘ war‘s der finale Schub
der noch zum Exodus gefehlt.
Als sich der letzte Mensch begrub,
zum Nirgendwo die Seel‘ sich hub
vergaß er glatt sein ganzes Geld.

Nun wächst es neu in Wald und Wies.
Die Welt lebt auf und unterdessen
wird sie zum wahren Paradies.
Es wurden leider überdies
Adam und Ev‘ erneut vergessen.

© Horst Fleitmann, 2019

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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