Die Hochzeit

An einem Tag, so schön wie heute,
da dachten sich zwei brave Leute,
genannt von allen Hans und Ruth,
zu Heiraten, das wäre gut.

Herausgeputzt und fein frisiert,
wird stramm zur Kirche aufmarschiert,
auch die Verwandtschaft, sonnenklar,
ist schon aus reiner Neugier da.

Herr Pfarrer edle Worte schwingt,
wonach manch frommes Lied erklingt,
die Mutter wischt ein Tränchen fort,
ja selbst der Vater spricht kein Wort.

Ein jeder hält den Atem an,
damit der Pastor fragen kann,
ob er mit ihr und sie mit ihm,
nun lebe bis zum Tode hin.

Die beiden hauchen zärtlich ja,
die Mutter ist der Ohnmacht nah,
als er ihr sanft ein Küsschen schenkt,
ein Raunen durchs Gemäuer schwenkt.

Als diese Prozedur vorbei,
gibts vor der Kirche ein Geschrei,
von allen wird süß gratuliert,
und Honig um das Maul geschmiert.

Ein Küsschen hier, ein Küsschen da,
dein Kleid ist ja so wunderbar,
das Dekollete so tief gelegt,
was Onkel August schwer bewegt.

Sodann geht es genüsslich weiter,
beim Hochzeitsmahl wird man schnell heiter,
obwohl es nicht vom Feinsten schmeckt,
jedoch der Wein die Geister weckt.

Das Fleisch blutrot auf Soßenklumpen,
der brave Gast lässt sich nicht lumpen,
denn schließlich sieht man einem Gaul,
ist er geschenkt, auch nicht ins Maul.

Im Anschluss wird so dann und wann,
gelästert, was man lästern kann,
die Braut ist für das Kleid zu dick,
und die Frisur ist auch nicht schick.

Die Schwiegermutter hoch erzürnt,
vor Frust am Teller Kuchen türmt,
das Herz wird ihr wie Blei so schwer,
ihr Söhnchen gibt sie nicht gern her.

Ach wie die Mutter dieser Braut,
so spießig in die Runde schaut,
ihr Mann den Blick zur Flasche senkt,
betrunken in der Ecke hängt.

Damit die Stimmung sei versüßt,
wird nun der Gast zum Spiel begrüßt,
das dies jedoch ein Fehler war,
wird allen leider ganz schnell klar.

Als Spielverderber wohl bekannt,
der Bräutigam im ganzen Land,
doch dieses Spiel in schwer erregt,
und auch die Braut war tief bewegt.

Ihr Gatte soll drei Damen finden,
die kurz mal den BH entbinden,
das gab natürlich ein Geschrei,
dies Spielchen war sogleich vorbei.

Es tobte sehr der Bräutigam,
die Gäste sahn sich fragend an,
die Braut im Tränenmeer versank,
und aus der Küche drang Gestank,

An einem Tag so schön wie heute,
da feiert man gern Hochzeit Leute,
doch leider müssen wir jetzt gehn,
die Party war so wunderschön.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.07.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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