Aylin

Und als sie ging(Doppelsonett)

Und als sie ging

 

I

 

Und als sie ging, da schwebte wie ein Ahnen

um dieses Haus, das seelenleer und stumm

im Winde stand, als wolle es sie mahnen,

als frage es sie vorwurfsvoll, warum.

 

Und als sie ging, da schmerzten ihre Glieder,

ein jeder Blick tat ihrer Seele weh.

Sie wusste doch, sie käme niemals wieder,

denn eine Stimme in ihr drängte: Geh!

 

Denn immer wieder war sie so gegangen,

ganz ohne sich noch ein Mal umzudrehen,

die Tränen wie im Eiskokon gefangen.

Nein, niemals sollte diese jemand sehen.

 

Sie ging - der Wind war immer ihr Gefährte -

und ignorierte, was er sie einst lehrte.

 

II

 

 

Der Wind war ihr stets wie ein Freund gewesen,

so oft trieb er sie an, voranzugehen.

Sie konnte in ihn horchen, in ihm lesen,

doch diesmal konnte sie ihn nicht verstehen.

 

Nun bläst er immer stärker um den Wagen

und heult, grad so, als wolle er ihr drohen.

Das Lenkrad rollt um ungelöste Fragen,

als wäre sie vor irgendwas geflohen.

 

Und neben ihr ergießt sich tiefes Tal.

Der große Wagen wirbelt wie ein Blatt,

er schleudert quer. Sie riecht verschmortes Leder.

 

Ein Bild schwebt ihr, so sanft wie eine Feder:

Wie sie ihr kleines Kind zum ersten Mal

in jenes alte Haus getragen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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