Hartmut Wagner

Lob der Badewanne

 Sei gelobt, du heiß geliebtes,

warmes Pullefass!

Innen, außen, unten, oben,

alles ist ganz nass.

 

Ich sitz hier,

schlag Schaum aus grüner Seife,

und mein Schwänzlein

ringelt sich zur Schleife.

 

Heißes Wasser gluckert leise, dampft

und plätschert fröhlich munter.

Ach,wer weiß, vielleicht hol ich mir gleich

gemütlich einen runter.

 

Auch zum Singen bist du,

klare Badequelle,

die einzig wirklich gute,

wahre, schöne Stelle.

 

Und so jubiliere ich,

ein alter Junggeselle,

auf der ultrakurzen,

hohen Badewannenwelle:

 

Der Wind spielt mit der

Scheißhaustür.

Was kann die Tür dafür,

dass der Wind mit ihr spielt?"

 

Durch die Haut dringt

schwüle Hitze,

und ich schwitze,

schwitze, schwitze.

 

Du Gefäß des Bades,

ich hab dich so maßlos gerne!

Alle Chefs, Arschgeigen, Plagegeister

hältst du ferne!

 

In deinen sacht bewegten

Wassermassen

leere ich so ab und zu mal

bunte Teller und geblümte Tassen.

 

Flutscht einmal ein Stückchen Sahnetorte

in die Seifenlauge 'rein,

macht nichts! Hier bestimme ich allein!

Ich, ein kleines rosarotes Menschenschwein!

 

Dich, mein

süßsaures Ha-zwei-Oh,

benutze ich auch oft

als Klo.

 

In dich hinein kann ich prächtig furzen,

Wasser lassen,

brauch den Pimmel dabei

nicht mal anzufassen.

 

Oh, du mein zärtlich

sanftes Wasserbecken,

in dir kann ich mich

nach Lust und Laune recken.

 

Die große

weite Welt

soll mich am

Arsche lecken.

 

Ja, du edle, riesenhafte

Wasservase,

als dein Gast bohr ich gelassen

in der Nase.

 

Rülpse, schnarche, kratz den Sack

sehr gründlich

und füll heißes Wasser nach

zumindest stündlich.

 

Du ohne Wasser

hohler Raum

schenktest mir einst einen

wilden Traum.

 

ln ihm erblickte ich mich nackt

beim Ficken

gleichzeitig mit zwei schlanken Dünnen und

drei runden Dicken.

 

Weich gebettet in des schmalen

Binnenmeeres Wogen,

lese ich so Manches,

was erstunken und erlogen.

 

Übrigens:

Gehörig durchgeweicht

fällt mir meistens auch das

Denken leicht.

 

Und deswegen dachte ich mir schnell

dies Loblied aus

für den großen Wassertank

in meinem klitzekleinen Reihenhaus.

 

 

Dies Gedicht ist einem meiner bisher zwei Theaterstücke entnommen. Es trägt den Titel: “Ohnelohn oder die Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Sauerland.“ Für „Ohnelohn“ wollte ich zuerst „Pisserlohn“ einsetzen.

Ich schrieb es im Anschluss an die Suspendierung von meiner Arbeitsstelle, einer großen Berufsschule in Iserlohn, im Jahre 1991. Anlass für meine zeitweilige Entfernung aus dem Schuldienst war ein chefkritischer Leserbrief. Mein Chef hieß damals Herr Grote. Einmal sprach er von "ökonomischen" Gottesdiensten. Eine ältere Kollegin bezeichnete er in einer Konferenz als „gutes, altes Mädchen.“ Ansonsten hatte Grote viele Freunde in der Iserlohner CDU und in der Arnsberger Schulaufsichtsbehörde. Die Schule leitete dieser Pädagoge aus dem Sauerland gemäß dem Grundsatz: „Einen fröhlichen Biertrinker hat Gott lieb.“ Solche Prinzipien mögen die knorrigen Bewohner dieser etwas abgelegenen Bergregion. Ich ließ mich nach Dortmund versetzen, verglichen mit dem Sauerland ein kosmopolitischer Ort.

Nach juristischer Intervention meines wunderbaren, ausgezeichneten Anwaltes der Lehrergewerkschaft GEW, Dr. Wieses aus Recklinghausen, musste ich wieder eingestellt werden. Die Schule besaß eine Zweigstelle im Drüpplingser Jugendgefängnis, wo ich wöchentlich 10 Unterrichtsstunden erteilte.

Bis heute, 20.11.2014, habe ich das Gedicht einige Male geändert.

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