Gerhard Krause

Der alte Schnitzer

Man hörte ihn schon seit Tagen
vom Schmerz im Rücken klagen,
die Arme wollen nun nicht mehr
der Klöppel ist ihm auch zu schwer
und auch sein rechtes Handgelenk
ist in Bewegung eingeschränkt.
Das Alter hat ihn eingeholt
das hatte er doch nie gewollt
und er ließ das Holzstück liegen
wird er es je mal fertig kriegen.
Sein scharfes Werkzeug liegt bereit
doch alles das zu seiner Zeit.

Die Arbeit war nicht immer leicht
zum Leben hat es grad gereicht
Nun werden seine Kräfte schwach
im Kopf ist es hell und er wach.
Sein Rücken ist was steif und krumm
er weiß dass seine Zeit, bald um.
An einem Tag  mit Sonnenschein
geht er in seine Werkstatt rein
beginnt an einem Holz zu schnitzen
im Eifer kommt er ins Schwitzen
und bald erkennt man die Kontur
von der zu fertigen Figur.

Er arbeitet wie heut versessen
hat keine Zeit etwas zu Essen
am Abend als der Tag schon schwand
legt er sein Werkzeug aus der Hand
und geht mit schlürfend Gang ins Haus
und ruht sich von der Arbeit aus.
Am andern Morgen steht es früh auf
der Tag nun nimmt seinen Lauf
fängt's schnitzen an, die Späne fallen
er streicht sich übern Kopf, dem kahlen,
ein Lächeln hat er im Gesicht
ihm ist, dass das Holz zu ihm spricht:

‚Schneid meine raue Haut was glatt,
das Lächeln im Gesicht gerad
bring leuchten doch in meine Augen
dass meine Hände was taugen.
Das Wams und die Hose korrekt
dann lege erst dein Werkzeug weg!‘
Er tat wie er es sich erdacht
war fertig und es war bald Nacht
schaut sein Werk noch mal prüfend an
und ist damit zufrieden dann
er packt sein Werkzeug letzt mal ein
das wird es wohl gewesen sein

 

20.1.2018                   ©  Gerhard Krause
Schnitzbild Gerhard Krause

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