Horst Fleitmann

Der Körper

Sehr oft liest von Natur man und von Sternen,
auch übers Alter, Jungsein, Glück und Leid.
Von Liebe und von Reisen in die Fernen,
zur Freude aller, auch für den der schreibt.

Doch selten oder nie wirst DU beschrieben.
Du, Körper, der mir doch am nächsten ist.
Mir scheint es nun so gar nicht übertrieben,
wenn ich dir sag, wie wichtig Du mir bist.

Du zeigst Dich mir des Morgens gern im Spiegel,
von Kopf bis Fuß, ganz oder partiell.
Verlangst von mir dass ich dich pfleg' und striegel
und unverschämter Weise auch noch schnell.

Schau ich mit Stolz zunächst auf Deine Füße
die mich mit forschem Schritt durchs Leben führn,
dann stell ich fest, was ich zudem begrüße:
Sie sehen gut aus, wohl durchs Manikürn.

Die Waden, Kniee selbst die Oberschenkel,
haben wohl bessre Zeiten schon gesehn.
Da nützt kein Schönreden, kein Wortgeplänkel,
dein leichtes O-Bein sieht man doch beim gehn.

Schon folgt von unten aufwärts bis nach oben,
noch im Gebrauch was mir beileibe recht,
und da muss ich dich, Körper, erstmal loben
nun kommt, so mitten drin nun, das Geschlecht.

Es folgt der Rumpf, hier sitzen die Organe.
Was vormals schlank war, legt sich mit der Zeit.
Die Ebenmäßigkeit ging von der Fahne,
jetzt ist er fast so hoch auch schon wie breit.

Die Arme, seitlich angebracht und Hände,
sie ignorieren die Arthrose Pein.
Nun kommt der Hals und wir sind fast am Ende.
Oben im Kopf sollte ein Hirn noch sein.

Grad dieses Hirn, mit dem ich dauernd denke
und das zur Körperpflege an- mich hält,
bestellt beim Ober Speisen und Getränke,
was Dich mein Körper wohl am Leben hält.

Wenn Du dereinst ob früher oder später,
mein 'Um dich Sorgen' einfach nicht mehr brauchst,
find ich 'nen neuen Körper dann im Äther,
weil du im Krematorium verrauchst.

Na ja, du zählst (beinah) zu den fast Kranken.
Ich glaub derweil, Du bringst Dich für mich um.
Wir zwei verstehen uns mit den Gedanken
und reden um den heißen Brei nicht rum.

Wär wirklich schön, du würdest Dich was schonen.
Bist Du auch längst schon nicht mehr preisgekrönt:
Wär blöd, es endete, mein Innewohnen
Ich hab' mich doch so sehr an Dich gewöhnt.

© Horst Fleitmann, 2019

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