Wally Schmidt

Ostpreussen 1943

Erinnerungen Ostpreussen 1943

 

Im Krieg, das ist ja heut' bekannt,

schickte man Kinder auf das Land,

wenn sie wie ich im Westen wohnten,

damit Bomben die Kinder all' verschonten.

Man hing dir einen grossen Zettel um,

wir Kinder wussten alle nicht warum.

Vom Westen bis wo Deutschland endete,

man die Kinder mit der Bahn versendete.

Ich kann mich an nichts mehr erinnern,

an kein Weinen, an kein Wimmern.

Der Zug fuhr immer mit Verdunkeln,

man sah auch keine Sterne funkeln.

 

Ich lebte dann ein halbes Jahr

auf einem Bauernhof, der riesig war.

Viele Tiere gab's da von jeder Sorte.

Um zu gelangen zu dem nächsten Orte,

musste man eine ganze Stunde gehen,

ohne nur einen and'ren Mensch zu sehen.

Der Winter, der war schrecklich kalt,

man fuhr mit Pferd und Schlitten halt.

Die Füsse warm mit heissen Steinen,

dicke Pelze lagen auf den Beinen.

Vierzig Grad, man kann's kaum glauben,

konnten einem schon den Atem rauben.

 

Zur Schule ging ich leider nicht,

es war zu weit und keine Pflicht.

Ich liebte alle Arten Tiere sehr,

hatte auch kein Heimweh mehr,

was am Anfang schrecklich war,

denn Verstehen war mir nicht klar.

Doch Mutter hielt es nicht mehr aus,

sie holte mich dann halt nach Haus'.

Sie hat die lange Reise unternommen,

um zu ihrem geliebten Kind zu kommen.

Sie war mager und sah schrecklich aus,

und ich war eine kleine, dicke Maus.

Man hatte mich ja täglich gut gefüttert.

Als ich Mutter sah, war ich verbittert

und kuschelte mich in ihren Arm,

die Mutterliebe hielt mich wieder warm.

Zusammen ging die Fahrt zurück,

wo Vater wartete voller Glück.

Er war glücklich, freute sich so sehr,

ach, wie ist das alles so lang' her !

Ich war damals grad an Jahren zehn,

und konnte alles nicht versteh'n.

Wenn ich heut' in Kinderaugen blick',

denk ich oft an diese Zeit zurück.

 

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