August Sonnenfisch

Beethovens neue Duette



 

Beethovens neue Duette
 

Ludwig van Beethovens
epochale Duette für

VIOLONCELLO und PIANOFORTE:
Sie beflügeln
mich heute
aufs Neue!
Welche Ebenbürtigkeit
unterschiedlichst
gearteten Seins!

Des Dialoges Virtuositäten
sie wissen und wagen:
nicht dominierte das Cello im Duett,
auf dass der Flügel
nur sekundierte
- noch herrschte
die weißschwarze Tastatur,
auf dass der Bogen
Beiwerk nur wäre:
Dialoghaft sie
einander begegnen
als gleichgewichtige Geister!


*******

(1)

Das Tonnenschwere
auf Rollen ...

... und das
Luftig-Leichte
zwischen den Knieen!

(2)

Mit mächtigem Korpus das Eine,
flügelförmig und

festlich schwarzglänzend,
auf einer Triade
von Säulen,
horizontal
seine Saiten ...

... vertikal das Andere
die Saiten,
auf fraulichem Korpus mit
langem Hals
und lockigem Kopf,
die Beine
vereinigt zu einem!

(3)

Am Flügel weit geöffnet

zur Rechten der
imposante Deckel, funkelnd
im Licht ...

... am Cello stets offen
musisch
geschwungene
Lippen!

(4)

Im Piano liegen die Leiber

der Töne und
Halbtöne von
mehr als sieben Oktaven
immer schon
fertig bereitet ...

… beim Cello bilden vierer

Finger Griffe
virtuos auf einem
Quartett von Saiten
all die Leiber
der Töne, die
im Augenblicke gerufen!

(5)

Traumwandlerisch
ein tanzender Bogen

im Violoncello
die himmlischen
Klänge
erweckt ...

... im Piano die göttlichen
Töne flugs
inkarnieren
durch der Hämmerchen
Schläge, die von
allen Fingern artistisch
behände via
die Tasten
gegen die Saiten geschnellt!

*******


PIANOFORTE und VIOLONCELLO:
Antipoden sind

sie einander –
doch, kongenial in ihrem Gestus,
musizieren sie
avantgardistisch neue
Duette
in
die Geburt eines

neuen Jahrhunderts hinein:

Duette Ebenbürtiger!
Wissen und wagen sie doch
des Atheners
dialogische
Virtuositäten!

Sternstunden der Menschheit
in Ludwig van Beethovens

Duetten!
In jenen Jahren
der Befreiung
vom napoleonischen Joch!

Sternstunden
der Irdischen
in ihren "Irrungen und Wirrungen",
sich selber
zu erfinden
und zu erschaffen!

 

 
 

 

(c) August Sonnenfisch, Dezember 1997 ff

Ludwig van Beethoven:
* 1770 in Bonn + 1827 in Wien. Übersiedelung
von Bonn nach Wien 1792.

Erste Symptome eines Gehörleidens 1798.

Hier seine fünf Sonaten für Cello und Klavier:
Berlin 1796: Cellosonaten, Opus 5, Nr. 1 in F-dur + Nr. 2 in g-moll
Wien 1807/8: Cellosonate, Opus 69 in A-Dur
Wien 1815: Cellosonaten, Opus 102, Nr. 1 in C-dur + Nr. 2 in D-dur

Des "Atheners Dialoge": Sokrates, 469-399 vor Christus.

"Irrungen, Wirrungen":
Roman von Theodor Fontane aus dem Jahr 1888.

Die Befreiungskriege von 1812 bis 1815
(deren Ende in Waterloo mit knapp 188.000 Soldaten - davon 57.000 Tote und Verwundete)
gegen die europaweite Fremdherrschaft Napoleon I. (1769-1821).
Zu deren Abschluss der Wiener Kongress: 1814/1815.

 

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