Hans Fritz

Das Geheimnis des goldenen Apfels


Schon seit tausend Jahren geht die Mär
vom goldenen Apfel um,
wenn sie nicht so wunderträchtig wär,
blieb der Erzähler stumm.

In einem Garten prächtig wie still,
stand ein Baum von Wohlgestalt,
trug pralle Frucht wie Natur es will
und wie von Gott gemalt.

Äpfel waren’s, reifend in Sonnenflut,
bald von flinker Hand gepflückt,
eingepackt in Weidenkörbe gut.
Die Ernte war geglückt!

Ein Apfel, den nie ein Mensch berührt,
glänzte wie goldverkleidet,
ward vom Wilden Jäger aufgespürt,
der nicht Frevel meidet.

Beherzter Griff ins starre Gezweig,
als tönt schaurig ein Grugru,
herüber vom alten Auensteig:
Der Apfel ist tabu!

Doch der Wilde Jäger, nicht verwirrt,
den Apfel ergreift geschickt,
mit stoischer Ruhe, unbeirrt
den Reichtum schon erblickt.

Denn was golden glänzt, das bringt viel Geld,
macht von Sorgen frei sogleich,
beschert eines Glückes weites Feld
in der Mächtigen Reich.

Zurück in der Hütte kalt und klein,
nimmt er den Apfel kokett,
gönnt ihm intensiven Sonnenschein
auf mürbem Fensterbrett.

Als der Jäger war dann ausser Haus,
da fing die Hütte Feuer,
ein Himmelsstrahl löste es wohl aus,
traf den Apfel teuer.

Die Flammen loderten schrecklich gar.
Des Jägers Hab und Plunder,
was nicht aus Eisen geschmiedet war,
brannte ab wie Zunder.

So stand nun der Mann hilflos beim Brand,
von Verzweiflung eingewiegt,
nun ganz ohne Gold und schnöden Tand.
Habgier hat nicht gesiegt!


Parallelen zu übrigen «Goldapfelgeschichten» sind weder auszuschliessen, noch beabsichtigt.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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