Horst Fleitmann

An alles gedacht?

Ich geb‘ es zu, du kommst jetzt in die Jahre
wo man sich irgendwann Gedanken machen muss
(der Grund im Übrigen, für graue Haare)
was tun, wenn‘s kommt so peu à peu, zum Schluss?

Bevor du stirbst, denk noch an Deine Lieben,
die, wenn Du gehst, dann nach Dir dageblieben.
Schreib für Dich selbst, (das liest sich nur makaber),
die Trauerpost, heroisch durchaus, aber
um keinen Deiner Freunde zu vergessen,
schreibst auf die Briefe selber die Adressen.

Bedenk‘, auch bei der Post bleibt manches liegen.
Weil jeder soll die Nachricht zeitig kriegen,
bringe die Briefe selbst zum Postbriefkasten.
Du kannst Verwandte damit nicht belasten.
Naht dann der Tag an dem Dich viele lieben
weil sie den Großteil deines Erbes kriegen,

geh zeitig zum Bestatter des Vertrauens,
der kundig ist des Edelholzsarg-Bauens.
Such Dir für Deinen Sarg das beste Holz
zeige damit den Trauernden voll Stolz
dass Du bereits von Anbeginn bis Heuer
Naturverbundner bist, dem nichts zu teuer.

Nimm keine goldnen Henkel an den Seiten.
Sie könnten Neid bei Trauernden verbreiten.
Nimm Platin lieber, lass es schön versilbern.
Vergiss Dein Wappen nicht gefräst auf güldnen Schildern
an allen Außenwänden Deines Sarges.
Sie soll‘n gut sichtbar sein am Tag des Tages.

Lade die Trauerschaar zum Leichenschmaus,
ins erste und zugleich auch beste Haus.
Bestelle einen Redner, der berichtet
von dem was Du erlebt und was Dir angedichtet.
Dann lass zum guten Schluss die Katze aus dem Sack
Wünsche den Trauernden noch einen schönen Tag,

und lasse dann Dein Testament Verlesen,
für alle, die so gern dabei gewesen.
Mit letzten Euros, hört man, die noch übrig waren,
sei finanziert zum Schluss der Leichenwagen.
Was jetzt noch käme, ginge nur auf Pump.
So hält man Dich gut in Erinnerung.

© Horst Fleitmann 2019

 

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