Hans Fritz

Herr Brommen und das Paradies


Niemand weiss wie Felix Brommen
zu seinem Reichtum ist gekommen.
Es wird gemunkelt unverhohlen:
Die Moneten sind gestohlen!

Gleich bringt er ’s Fass Zum Überlaufen
und wünscht die ganze Welt zu kaufen,
sinniert an Ecken und an Enden,
an wen er könnte sich noch wenden.

Als keiner mag die Welt verscherbeln
und alle Hoffnung droht zu serbeln,
gibt Herr Brommen sich bescheiden,
möchte Weltkaufwunsch nun meiden.

Eingeknickt, schon fast passiv,
kauft er ein Schloss beim Bergmassiv.
Ein Palast mit tausend Räumen,
Park bepflanzt mit alten Bäumen.
Im Wasser offener Zisterne
spiegeln sich so hübsch die Sterne.

Das Massiv ragt drohend, schroff,
siebentausend Meter hoch,
liefert reichlich Mythenstoff,
weil ein Greif es einst bekroch.

Felix lernt, dass hinter dem Gestein
ein Paradiesgarten soll sein,
mit prachtvoll blühenden Exoten,
die kein Garten je geboten.
Und Menschen einer sanften Rasse,
Gottseliger eigne Glaubensklasse,
in Frieden leben unbeschwert
ein Leben, das ist lebenswert.

Da direkter Einblick bleibt verwehrt,
den Herr Brommen so begehrt,
nutzt er sein Kapital sogleich
für einen tollen, krassen Streich.

Der Berg muss weg, ist sein Beschluss,
macht mir noch und noch Verdruss.
So möge denn schon morgen
ein Arbeitsheer für Abbau sorgen.

Mehr als zweitausend Maschinen
sind tags darauf vor Ort erschienen,
bauen lärmend ab mit Vehemenz
Berggeistes hohe Residenz.

Kaum ist’s Gefelse weggerafft,
Schutt ins Hinterland geschafft,
ist der Blick auf Eden frei.
Doch mit dem Idyll ist’s bald vorbei!

Hinter schmucker Balustrade
Gäste in Brommens Besucherbrigade
sind schier verwirrt und staunen,
als ertönen Kriegsposaunen.

Gab es drüben eine Wandlung?
Sichtbar kriegerische Handlung
lässt Betrachter tief erschauern,
wenn Menschen darben, trauern.

Als alles ins Chaos scheint versenkt,
werden Fahnen hoch geschwenkt,
nicht Frieden kündend, nein,
auf zum Kampf, so muss es sein!

Und Brommen folgert daraus dies:
Auf der Erde gibts kein Paradies.
Fassaden mögen heile Welt vorgaukeln
und den Gutgläubigen verschaukeln.

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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