Patrick Rabe

Bordellkönig

 

Ich war heut im Konsumbordell

von Babylon, die ich als Hure schätz.

Erst war ich langsam, sie war schnell,

dann langsam sie, wie ich das Fleisch zerfetz.

 

Ich war in Neu-Jerusalem,

dort brannte es, doch ich blieb einfach stehn.

Wenn Jesus kommt, ist man plem plem,

will man dann schnell nach Haus zur Alten gehn.

 

Ich ging durch einen Feuersturm

und alles um mich brannte lichterloh.

Da schnappte mich die Polizei,

ich war verdächtig, weil ich schlicht nicht einfach floh.

 

Ich lag auf ihrem Foltertisch

die Handschuh waren pink, und pink, das stinkt.

Sie brachen mich wie'n Grätenfisch

und grillten meinen letzten Fluchtinstinkt.

 

Da wusste ich dann, wie das ist,

ein Fegefeuer das dich nicht verbrennt,

hast du in deinem Innern Christ,

der dich bei deinem wahren Namen kennt.

 

Mein wahrer Name ist "Ich bin",

doch trag ich meinen alten gern und stolz.

Protest und Liebe ist mein Sinn,

ich bin aus ganz besonders edlem Holz.

 

Zwar hart, doch innen weich und lieb,

und deshalb durch das Flammenspiel hindurch,

ich bin ein Himmelskind, kein Dieb,

und Gott ist meine feste Felsenburg.

 

Man schämt sich jetzt, man wich von mir,

weil ich den harten Feuertest bestand,

ich knackte Falschprophet und Tier,

nur Babylon vor meinem Blick bestand.

 

Gott drückt sich in den Ecken auch,

statt mir erstaunt zum Sieg zu gratulier'n.

Seitdem steh ich schön auf dem Schlauch

und bin alleine fast mit meinen Tier'n.

 

Doch mein Haus soll ein Bethaus sein,

sie färbt mir mein Jerusalem

mit babylon'schen Farben ein,

lässt Hitlerstahl im Haar sein, das ich kämm.

 

Ich weiß warum. In ihrer Haut

hat sie gefangen einen Juden, alt und siech,

weil ich als Morgen grau, ihm vor mir graut,

er denkt, da draußen ist noch Kriech.

 

Kriech ist die Schlange, kam zweimal

gekrochen über Alt-Europa schon.

Doch diesmal ist im Königssaal

kein Hitler, sondern wirklich Gottes Sohn.

 

Der Rest vom Adolf ist wie Lehm

und Erde feucht um mich getürmt,

doch ich halt mich wie ehedem

zu Gott, wenn es im Moder grauslich würmt.

 

Drum, Babylon, ich schlaf mit dir,

bis du den Juden jung und schön entlässt.

Dann stirbt das alte Höllentier,

dann feiert Christ mit uns ein Fest.

 

Willst du mein Höllenbruder sein,

mein Himmelsbruder wirst du sodann auch.

 Nur nenn mich bitte nicht mehr Schwein,

das Lamm ist meine Lebenshoffnung auch.

 

Auf dass ich's werde, und so sanft

die andern Tiere führ hinaus;

dann werd ich Mensch, ganz ohne Kampf

und bin als Kind ein Herr in meinem Haus.

 

Drum, Margarete, Blondhaar kotzt

mich wegen Deutschland mächtig an,

sind Sulamithens Aschehaar' erst wieder schwarz,

dann nennt mich einen echten Mann.

 

 

© by Patrick Rabe, 5. Mai, 2019, Hamburg.

 

 

 

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