J. Liliana Altair

Anklage

 

Mein Freund, ich sag es unumwunden

Die Welt wird bis aufs Blut geschunden

Geplagt wird sie, in jedem Land

Von Mächten grob und ungenannt

 

Getrieben wird sie, schändlich schwer

Von kalten Herzen, stumpf und leer

Durch eisern Fäuste, brennend, nagend

Die Last mit tränend Augen tragend

 

Lodernd tief die Wunden schwären

Tumbe Gier sie blind ernähren

Ihr Schrei verklingt, ihr Herz erstirbt

Der Hass mit dunkler Stimme wirbt

 

Feuerregen verheert den Hort

Gewalt und Wahn treibt Liebe fort

Irrsinn zieht mit Klauenhand

Wie eine Seuche durch alle Land

 

Die Reiter kommen, die Hufe schlagen

Überziehen die Welt mit ihren Plagen

Vernichten, zerstören, ringen darnieder

Bis nichts mehr bleibt als tote Glieder

 

Ein Schweigen, schwer und tief empfunden

Legt sich auf alle Weltenwunden

Stille zieht ein, kein Schritt sie stört

Keine Hand ihr die schweigend Macht verwehrt

 

Der Wahn verklingt, die Reiter schwinden

Tollheit und Wut zur Ruhe finden

Der Atem so leicht, so schmerzlich vermisst

Befreit die Welt von aller Plage ist


Der Fluten Wahn ist davon gespült

Allein der Frieden neue Macht erhielt

Samt und sonders wurden sie gerichtet

Das Leiden der Lande ist vernichtet

 

Ein milder Hauch rinnt heilend hernieder

Streicht wispernd über zerschlagene Glieder

Bedeckt der Seelen einstig Haus

Treibt lächelnd dahin, frei von Graus

 

Die Wunden verlieren ihre tödliche Macht

Das Gleichgewicht zum Leben erwacht

Umschließt die Welt, umarmt ihr Herz

Tilgt alle Qual und jeden Schmerz

 

Mein Freund, ich sag es unumwunden

Die Welt, sie wird von uns geschunden

Befreit von uns, von der plagend Hand

Kehrt Frieden ein, in jedes Land

 

Drum frag ich dich, du Krone der Welt

Wie ist es mit deinem Gewissen bestellt?

Fühlst du keine Reue, keinen Hauch von Scham?

Bist du blind geworden für der Welten Gram?

 

Hast du dein Herz verloren, dein Mitgefühl?

Siehst du nicht die Fehler in deinem argen Spiel?

Bist du nicht der Hüter, der dem Licht verpflichtet?

Willst du warten, bis die Welt dich richtet?

 

Die Reiter, sie warten, ihre Rösser, sie schnauben

Willst du wirklich ihren Ritt erlauben?

Denk nach, bevor du weiter schreitest

Noch mehr Elend über die Lande verbreitest

 

Stoppe den Irrsinn, gebiete dem Wahn

Bevor alles verloren und die Zeit ist vertan

Mein Freund, ich flehe auf Knien dich an:

Beende die Plagen, die ein andrer begann.

 

Tust du es nicht, dann wirst du es sehen

Samt und sonders werden wir untergehen

Feuer wird regnen und Fluten steigen

Alles wird versinken im tödlichen Reigen

 

Mein Freund, ich sag es unumwunden

Hör auf, sei mit der Welt verbunden

Sei ihr Hüter und nicht ihr Richter

Sonst wird sie deines Lebens Vernichter

 

Drum warne ich dich in aller Stille

Lass nicht geschehen der Reiter Wille

Beende den Irrsinn, vernichte den Wahn

Sage endlich: alles ist getan!

 

Lass Liebe regieren, das Licht sich erheben

Lass alle dies hehre Ziel anstreben

Sei Vorbild, Führer auf der rechten Bahn

Dann sage auch ich: Alles ist getan!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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