Horst Fleitmann

Gesellschaftliche Verpflichtungen

Die Müllers und die Lehmanns haben
sich schon gekannt seit vielen Jahren.
Man sah sich hier, man sah sich dort,
man wechselte auch mal ein Wort
und sang auf Feiern hin und wieder
die gleichen peinlich dummen Lieder.

Frau Müller fasste den Entschluss,
dass sich das nunmehr ändern muss.
Zudem war sie, Frau Müller, eigen.
Sie wollte Lehmanns einmal zeigen
dass selbst man keine Kosten scheut.
Frau Müller war zum Protz bereit.

So stachelte sie ihren Mann
zum Anruf bei den Lehmanns an:
Komm, lade sie zum Essen ein
das kann ja wohl so schwer nicht sein.
Herrn Müller, der dies gar nicht mochte,
sah man gleich an, wie's in ihm kochte.

Doch um des lieben Friedens Willen
fluchte (in sich) er nur, im Stillen.
Herr Lehmann war zunächst geschockt.
Man spürt wie ihm der Atem stockt,
als er die Einladung gehört.
Fand‘s (auch im Stillen) unerhört.

Er müsse seine Frau erst fragen
sagt er mit reichlich Unbehagen.
Und später rief zurück er fern:
Normalerweise furchtbar gern,
doch leider gings derzeit mitnichten.
Man hätt‘ zu viele andre Pflichten.

Als sie die Absage vernahm,
fing Müllers Frau zu rechnen an:
Das Essen, Wein nebst andren Dingen
würd‘ eine Menge Geld verschlingen.
Sie hätt‘, weil Lehmans abgesagt,
nun eine Unmenge gespart.

Gleichwohl, sagt sie zu Ihrem Mann
hätt‘ sie nun ihre Pflicht getan.
Die Lehmanns planen unterdessen
mit Müllers ein feudales Essen.
Sie geben selbst sich das Versprechen
sich an den Müllers so zu rächen.

© Horst Fleitmann  2019

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