Hans Fritz

Der Brand


Incendro war ein Seher,
ein alle-Leut-Versteher,
orakelte querbeet
und nannte sich Prophet.

Als die meisten der Prognosen
war’n gegangen in die Hosen,
glaubte er es sei nun Zeit
für eigene Glaubwürdigkeit.

Etwas Grosses müsst’ geschehen,
was noch keiner hat gesehen.
Ja, gigantisch sollt’ es sein,
um Mitternacht sich stellen ein.

Da war erbaut auf öder Flur
das neue Zentrum für Kultur.
Kritiker landauf, landab,
nannten es Millionengrab.

Viele Menschen aufmarschierten
und Vermummte deklamierten:
«Wir brauchen nicht dies Holzgerippe,
wenn Kultur steht auf der Kippe».

Wo immer die auch Frevel bündeln,
ist es nicht mehr weit zum Zündeln.
Allein schon letztere Idee
war für Incendro wahrer Dreh.

«Noch bevor das ‘Zentrum’ eingerichtet,
wird es von Feuersbrunst vernichtet»,
verhiessen seine Worte sonnenklar,
in Schmuddelmedien abrufbar.

*
Schlag Mitternacht, und nichts geschieht,
die Zeit, sie flieht und flieht.
Incendro wartet hinterm Busch,
denkt ‘schon wieder mach ich Pfusch’.

Als die Uhr zeigt zehn nach Zwölfe
tauchen auf drei stramme Wölfe,
heulen um die Wette jetzt
darob Incendro ist entsetzt.

Wo nur ‘s verdammte Feuer bleibt
und die Wölfe rasch vertreibt.
Wenn ’s nicht kommt, muss ich selber zünden,
Gott verzeih mir Übeltat und Sünden.

Er drückt am Feuerzeug den Knauf.
Dürres Strauchwerk lodert auf,
der Brand unaufhaltsam schleicht
bis er das ‘Zentrum’ hat erreicht.

*

Die Wölfe waren längst entschwunden,
das ‘Zentrum’ leer, gar arg geschunden
und zum Grossteil abgebrannt,
Incendros Prophezeiung anerkannt.

 

 

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