Horst Werner Bracker

Traum und Wirklichkeit

Traum und Wirklichkeit
Ballade
 
Ein schöner Tag, Hanna wollte spazieren gehen
Das wildromantische Moor war ihr Ziel
Sie fand das Moor, - so wunderschön -
Die Stille, die Einsamkeit ihr sehr gefiel
 
Ein Geheimnis, wie aus einer schönen Ballade
Hielt das Moor seit vielen Jahren für Hanna, bereit
Versteckt, nur erreichbar, auf verschlungen Pfade
Eine Moorkate, in Düsternis und Beklommenheit
 
Uralte Buchen und Eichen und bizarren Mispelbäumen
Mit Efeu, Clematis und Wilden Wein üppig berankt–
Gibt dem Anwesen das Aussehen, wie aus Albträumen
Des Grauens. Aus dunklem Tann lautes Krähen Gezänk
 
Dann erwachen die grausamen, braunen Moorgeister
Ihre leisen Rufe, ihr seufzen und stöhnen, gefrieren das Blut
Ihre Aufdringlichkeit, ihre Bosheit wird immer dreister
Steigert sich zur Unverfrorenheit und rasender Wut
 
Ein schmaler Pfad führte am Moor Bach entlang
Immer wieder blieb Hanna lächelnd stehen
Wenn des Rohrsägers schönes Lied erklang
Es war voller Lebensfreude, so lyrisch schön!
 
Bei den Kopfweiden, die krumm am Ufer stehen
Wohnt der alte Hecht, mit seiner Frau
Im sprenkelnden Sonnenschein, kaum zusehen
Doch Hanna, - kennt ihren Standort genau
 
Sie bleibt stehen und hebt grüßend den Arm
Sie kann die Hechte im Wasserschloss sehen –
»Wie geht es euch, ist das Wasser schön warm?«
In ihrer Fantasie,- können die Hechte sie verstehen
 
Ein Weilchen plaudert sie mit den Hechten –
»Bis bald macht es gut, auf Wiedersehen!«
In der Buche wohnen noch immer die Spechte
Hanna hebt grüßend die Hand, im Vorübergehen
 
Am morschen Steg bleibt sie stehen, ob die Bohlen tragen?
Sie will ans andere Ufer, durch die weißen Dünen gehen
Ein verhaltenes Zögern, nur zu, - ich will es wagen!
Der Steg, - auf Eichenpfählen gegründet, wird's überstehen!
 
Die Düne ist ein Kuriosum, - im wilden Moor
Ein Relikt aus der letzten Eiszeit, aus weißem Sand
Von Künstlern oft gemalt, gezeichnet von Illustrator
Romantisch ins Bild gesetzt, von begabter Hand
 
»Ort der schönen Worte«, wird die Düne auch genannt
Hier lebte vor langer Zeit eine Poetin, »Anna Lyria«
Eine schöne, zarte Frau, gekleidet, stehst im weisen Gewand
Eine engelsgleiche Erscheinung, bezaubernd und wunderbar!
 
In einem kleinen Wäldchen mit hohen Bäumen, am Dünensaum
Steht ein romantisches Haus, aus Holz und Feldsteinen erbaut
Fensterläden und Tür sind verschlossen, Hanna kennt den Baum
In einer Spechthöhle, in die sie, aus Neugier geschaut
 
Fand sie den Schlüssel zum Haus, in einen Brief, stand geschrieben:
Wer den Schlüssel und den Brief findet, soll der Eigentümer sein!
Notariell beglaubigt, - Hanna bekam das Anwesen überschrieben!
»Ich danke dir, - Anna Lyra!« dein Haus dein Anwesen, ist mein!
 
Dein Erbe will ich ehren. Deine Dichtkunst, loben, stets achten -
Hanna war tief gerührt, dass sie die Auserwählte wurde, sie allein
Sie empfand eine tiefe Zuneigung, zur Dichterin und ihre Augen lachten
Hier im stillen Moor konnte sie glücklich werden, oder - einsam sein?
 
Wenn abends die Dunkelheit, sich schweigend übers Moor legt
Und das Schweigen des Moores, der Menschen Herz beschwert
Die braune Johanna ihr Unwesen treibend durchs Moor schwebt –
Ihr Geistesschwert das Atmen, der furchtsamen Menschen erschwert
 
Heiß, und unbarmherzig brannte die Sonne, vom Firmament
Kein Windhauch rührte die Zweige der Bäume, selbst kein Blatt
Hanna, die im Moor ein lauschiges, kühles Plätzchen kennt
Fühlte sich schlaff, müde und unsagbar matt -
 
Im braunen Heidekraut lässt sie sich seufzend nieder
Schließt, die müden Augen, mit einem wohligen Stöhnen
Sie sieht nicht, der Kreuzotter gezackte Glieder –
Hört nicht das böse, laute Züngeln, Zischen des Otters Getöne
 
Sie streckt ihre müden Beine, hin zu der Kreuzotter Versteck
Der schmerzhafte Biss in ihre Ferse machte Hanna wach
Sie fuhr empor, sah‹ die Otter, die zwei Wunden, oh Schreck
Die Schlange hat mich gebissen, und das gleich zweifach
 
Panik erfasste Hanna, tödlich verletzt und im Moor allein
Ihr Herz schlug wild in ihrer Brust, im Kopf ein brausen
Sie sprang auf, ich muss auf den schnellsten Weg heim
Hilfe, sie begann ihr Haar zu zerzausen, dass grausen
 
Ließ sie frieren, ihre Haut, so kalt und feucht. Ihre Augen
Verloren den Glanz des Lebens. Hysterische Panik
Ein Herzinfarkt, sie wurde ein Opfer ihres Aberglaubens
Ein Kreuzotterbiss braucht keinen Arzt, keine Klinik
 
Hanna starb an einen Herzinfarkt, ausgelöst, der Schlangenbiss
Man fand sie, lächelnd, wie in einen wunderschönen Traum
Mit ihrem Tod verschwand ihre Erbschaft, ganz ohne Bitternis
Der nur ein Traum war, nur ich, durfte in ihren Träumen schauen!
(31.05.2019) E-Storie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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