Jürgen Wagner

Rabengedanken

 

Der Göttervater reiste nicht allein,

zwei schwarze Raben waren sein

Früh morgens flogen sie hinaus

und brachten Kunde spät nach Haus.

 

Heut sprachen sie: du lieber Gott,

die Welt geht langsam da bankrott

Du musst mal nach dem Rechten sehn!

Der Mensch wird's wohl zu spät versteh'n,

 

dass er beständig expandiert,

dabei die Erde ruiniert

Für sein Wohl gehen so viel Arten

Gehört nur ihm der Erdengarten?

 

Darf er die alten Wälder nehmen,

und sich nach fernen Welten sehnen?

Darf er das Meer, die Erd‘ ausrauben

und sonntags an die Götter glauben?


Wer weist ihn denn in seine Schranken?

Wir Raben haben so Gedanken,

dass er dies selber arrangiert,

ein großes Unheil provoziert

 

 

Anm.: Hugin (der Gedanke) und Munin (das Gedächtnis) sind die zwei Raben, die den alten Göttervater Odin ständig begleiteten. Er schickte sie allmorgendlich an den Himmel, damit sie ihm berichteten, was in der Welt vorging. Die Verbindung der Raben als Aasfresser zum Totenreich sowie ihre Klugheit und Cleverness setzten den Göttervater erst imstande, seiner umfassenden Rolle gerecht zu werden. In vielen Traditionen waren und sind die Raben als Kraft- und Totemtiere hoch geachtet und begleiten den Menschen – nicht nur den Schamanen – auf seiner Reise. So war Odin auch als der Rabengott bekannt (Hrafnagut)

 

Bild: @Butch – stock.adobe.com

 

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