Stefan Hoffmann

Mein feuchter Tag im Aqualand Köln

Ein Spaßbad war mir bislang unbekannt,
so besuchte ich neulich das Kölner Aqualand.

Wir sind für Sie da!
Lautet dort der hiesige Spruch.
Na dann war ja alles klar.

Umgezogen nur in Badehose schwor ich mir:
„Jetzt gönnst du dir erst mal paar Bier.“
Es war Mittag, fast zwölf Uhr.
Ich war durstig, meine Anreise war eine Tortur.

Um mich also zu erfrischen,
setzte ich mich ins Restaurant
an einen von den vielen Holztischen.
Nun zählte nur noch FUN.

Im Hause gibt es eine Physiotherapie.
Aquamed so nennt sich die.
Ihre Therapeuten kann man leicht erkennen,
an den weißen Hosen und den grünen Hemden.

Ich fing an zu dichten und spielte mit den Worten.
Das ist meine Bestimmung,
für was anderes wurde ich nicht geboren.

„Männer sollten sich mit Frauen trauen,
die ihnen nicht die Gesundheit versauen.

Bei Problemchen mit Rücken und Knie,
nimm am besten eine von der Physiotherapie.

Hat man zu viel kranke Fantasie,
hilft eine Ärztin aus der Psychiatrie.

Eine Apothekerin weiß immer gleich Bescheid
bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit.

Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.
Wenn man etwas nicht mehr tolerieren kann,
auch den Auftragskiller.
Do it Yourself ist halt billiger.“

Im Restaurant genoss ich die vorzügliche Sicht
auf das Treiben im Bad bei hellem Licht.

Eine von der Aufsicht sprach mich an:
„Alles gut?"
„Klasse Bad“, sagte ich und prostete ihr zu.

Ungelogen. Nur Lob, kein Tadel.
Dann:
Ein kreischendes, pubertierendes Madel,
wohl in einem Badeanzug von Adidas,
stürzte sie sich ins klare Nass.

Ihre Freundin machte mit dem Handy Bilder.
Das war zwar verboten,
sie ignorierte halt die Schilder.
Sie schoss mindestens tausend Fotos,
und mich zerrte es auf den Lokus.

Wieder an meinem Platze,
schaute ich mich weiter um,
damit ich auch nichts verpasste.

Als im Whirlpool das Wasser anfing zu sprudeln,
fiel mein Auge auf eine Horde älterer Generationen,
alle schwer bewaffnet mit Schwimmnudeln,
genötigt von einer jungen Dame zu halsbrecherischen Aktionen.
Sie stand am Beckenrand und ihre weiß-grüne Tracht
bestätigte meinen Verdacht,
dass sie was in Therapie macht.

Ein Netz mit Dingen vollgepackt
versuchte sie später in die Praxis zu wuseln.
Erschwert wurde dieser Akt
durch ein Bündel bunter Schwimmnudeln.

Acht Bier später beobachtete ich diese Dame,
diesmal sitzend am Beckenrand.
Sie gab Kommandos, die ich nicht verstand.

Ihr Haar, gebunden zu einem Pferdeschwanz,
war blond, und zwar ganz.
Sie scheuchte einen Patienten durch die Fluten.
War sie wirklich eine von den Guten?

„Das wollen wir mal sehn,
ob sie eine ist von den Feen.“
Im Wasser war jetzt weniger Trubel,
die Therapeutin knetete eine Schwimmnudel.

Ich wankte also runter zu ihr hin, bat um Verzeihung,
und schlug sie vor,
für die Goldene Schwimmnudel Verleihung.
Damit zauberte ich ein Lächeln in ihr Gesicht,
und bin mir sicher, diesen Spruch vergisst sie nicht.

Ich ging wieder aufs Klo kurz,
beim Rausgehen kam es fast zu einem Sturz.
Ich kroch dann zu meinem Tisch auf allen Vieren,
war auf jeden Fall besser, bei all den Bieren.

Nach weiteren 15 Flaschen fühlte ich mich wohl wie ein Pudel
hörte auf zu sinnieren
über die Lebenserwartung einer Schwimmnudel
und wollte mich endlich ins Wasser stürzen,
entschied mich aber,
meinen Darm weiter mit Hopfen zu würzen.

Die Musik wurde plötzlich richtig laut gemacht,
das hätte ich nicht mehr gedacht.
Ich konnte meinen Augen nicht trauen,
da waren Badenixen und Meerjungfrauen,
auch Wassermänner mit Dreizack
und weiteres Meeresbewohnerpack.
Sie alle bewegten sich nun im Takt,
nur in Badekleidung, also halbnackt.

Ordentlich benebelt vom ganzen Fusel,
bemerkte ich am Nebentisch auf einem Teller liegen
eine kleine gelbe Schwimmnudel.

War das jetzt ein Witz?!
Nein, es war einfach nur
eine nicht verzehrte Pommes Frites.

Wir sind für Sie da!
Ja genau! Das war wirklich wahr!

Kurz vor Zehn schloss man mir den Spind offen
und half mir in die Klamotten.
Sturzbetrunken wurde ich in ein Taxi getragen.
An der nächsten Ampelkreuzung entlud sich mein Magen.

Der Taxifahrer war nicht gerade begeistert.
Ich fand:
Meinen Tag im Aqualand hatte ich gut gemeistert.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.07.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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