Norman Möschter

weinen

Endlich zu Hause,
Ich bin so lange gefahrn,
Aber ich mach keine Pause,
Sondern die Suppe von gestern warm.

Sie schmeckt bestimmt wie am Abend,
Sie hat es mir angetan,
Doch ohne zu essen, starre ich fragend
mein Spiegelbild im Löffel an.

Ich blicke verzerrt und verdreht aus
dem Spiegel mich an und weiß,
dass ich mir selbst leid tu, raus
will ich aus diesem Teufelskreis.

Ich denke, ich muss etwas neues versuchen.
Ich höre auf der Straße Kinder im Streit.
Wie Große hört man sie laut noch fluchen
als ich mir sage: 'Jetzt wird es Zeit.'
Und ein kleines bisschen tun auch die Kinder mir leid.

Die Suppe spüle ich runter im Klo,
sie hätte mir jetzt sowieso nicht geschmeckt.
Auf dem Markt verkaufen sie rote Zwiebeln,
die haben sie in gelbe Netze gesteckt.
Ich habe sie trotzalledem entdeckt.

Wieder zu Hause schneide ich sie klein.
Dann setze ich mich ans offene Fenster -
die Kinder werden schon schlafen sein.
Die Zwiebeln brennen und draußen wirds finster
und ich tu mir leid, und auch die Kinder.

Zwischen Zwiebelschalen und einem gelben Netz
beobachte ich weinend im letzten Licht,
wie ich mich, verschwommen, ans Fenster setz,
wie Tränen glitzern in meinem Gesicht
und das Weinen, es hilft und doch hilft es nicht.

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