Brigitte Waldner

Lavendelraub


Die Lippenblütler färben Felder lila.
Sie duften schon von weitem fröhlich leicht,
man findet sie in Kleiderschränken vieler,
wo eine Handvoll gegen Motten reicht.

Im Bad verwendet man Lavendelblüten,
sie sollen gut sein für die schöne Haut,
ein Tee daraus will Nerven gut behüten,
ätherisch Öl ist im Lavendelkraut.

Wenn kühlend sanfte Sommerbrisen wehen,
verbreiten sie den Duft im ganzen Tal,
von dort, wo die Lavendelfelder stehen,
hüllt sie der Wind um uns wie einen Schal.

Berauschend zieht der Duft in alle Räume,
übt Einfluss auf die Wesen in der Nacht,
entfaltet helle, friedevolle Träume,
aus denen man am liebsten nicht erwacht.

Ach, könnte man mit Bienen oder Hummeln
zu Feldern fliegen, wo Lavendel blüht,
die gute Laune tanken gegen Grummeln;
das wäre Therapie für das Gemüt.

Ein Räuber wird vom Lila angezogen
und vom unendlich lieblich süßen Duft.
Das Feld zu plündern hat er schon erwogen,
um drei Uhr nachts tut es der üble Schuft.

Am Morgen stehen nur noch ein paar Stängel
mit kleinen lila Blüten oben drauf,
der Räuber schläft auf Säcken voll Lavendel;
und nach Lavendel duftet jetzt sein Haus.

Dort, wo die Räuber ihre Beute grillen,
steigt abends aggressiver Duft empor,
aus ihrer Laube, wo sie täglich chillen,
belästigt mich das Waschparfüm Lenor.

© Brigitte Waldner

 

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