Horst Fleitmann

Die Welt mal anders betrachtet

Ich saß als Kind- und fand es damals Spitze
in einem Weinfass ziemlich alt und rund.
Die Sonne schien hinein durch eine Ritze
und blickt‘ ich raus, war mir die Welt so bunt.

Aus diesem Fass floss einst der gute Jahrgang
von rotem oder auch von weißem Wein,
was damals durch die Ritze zu mir eindrang
konnte das Schöne nur vom Leben sein.

Denk ich daran, wie's wär, würde ich heute
in diesem Weinfass sitzen, raus zu schau’n,
säh‘ ich wohl häufig sehr verbohrte Leute
und sehr schnell käme mir dann wohl das Grau’n.

Ich hab' gehofft, geliebt und auch verachtet,
als durch die Ritz' ich sah, wie's Leben lief.
Denn wer die Menschheit im Detail betrachtet,
erkennt sogleich, die Welt hängt reichlich schief.

Die klügsten Menschen, sieht man, werden Narren
man fokussiert sie durch das kleine Loch.
Sie spannen Menschen vor den eignen Karren.
und merken nicht, wie’s abwärts geht nur noch.

Besorgt euch auch ein Fass oder ‘ne Tonne
erkennt auf einen Blick wie’s um uns steht.
Doch scheucht zuerst die andern aus der der Sonne,
weil ihr, wird’s Loch verdeck, sonst nichts mehr seht.

© Horst Fleitmann 2019

Da es zu dem Gedicht wohl Mißverständnisse gibt, hier eine Erklärung:

Diogenes von Sinope (ca. * 412, † 323 v. Chr.) war ein bedürfnisloser, antiker griechischer Philosoph. Es wird berichtet, dass Alexander der Große den in der Tonne wohnenden Diogenes besuchte und versprach, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Darauf antwortete Diogenes, er habe nur einen Wunsch, dass Alexander ihm aus der Sonne gehe.

Als "Diogenes in der Tonne" bezeichnen wir heute einen bedürfnislosen Weisen bzw. Menschen.


Horst Fleitmann, Anmerkung zum Gedicht

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Horst Fleitmann).
Der Beitrag wurde von Horst Fleitmann auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Wolkenkinder Geschichten von Eleonore Görges



In diesem Buch erfahrt ihr, was zwei Wolkenkinder erleben, wenn sie mit ihren Wolkeneltern um die Welt ziehen. Piet, der Wind, hilft ihnen aus der Patsche, mit Nordlichtern tanzen sie den Feenwichtentanz und die Sterne bauen ihnen am Abend ihr Sternenbettchen. Sie machen Bekanntschaft mit einem Menschenkind, aber auch mit Hoppel, dem Osterhasen und an Weihnachten helfen sie sogar dem Christkind.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (4)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Das Leben" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Horst Fleitmann

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Busen von Horst Fleitmann (Humor - Zum Schmunzeln)
Das neue Jahr von Gabriele Ebbighausen (Das Leben)
Veganer von Paul Rudolf Uhl (Humor - Zum Schmunzeln)