Patrick Rabe

Iss, was dir schmeckt, the saints are coming through

Verzirkelte Tiere in den Straßen,
Hassvirus in der Suppe aus Angst voreinander
und zum Nachtisch Zyankalipralinen.
Treppenwitze führen ins alte Jerusalem,
maskiert als Stadt des Lammes,
mit Smaragden aus dem Kaugummiautomaten.
Nackte Huren masturbieren vorm Gerichtsgebäude,
die Honoratioren werfen ihre Talare ab
und laufen ihnen entgegen, heim nach Babylon.

Die Nacht ist ein vögelndes Mädchen,
sie reitet ihren Liebsten mit Träumen vom Paradies.
Er zieht aus mit der Fackel der Liebe,
für seine Verlobte wird er das Los werfen.
Er widersteht dem Teufel, als der ihm bocksbeinig erscheint.
Jedoch im Gewand des Gekreuzigten
fickt ihm der Fliegenherr den Arsch und tritt seinen Rosenkranz in die Gosse.
Er gibt ihm den Rauschtrank des Plastikgottes,
der ihn das Halleluja mit fremden Zungen rückwärts singen lässt.

Er zeigt ihm den Ort, wo sie Beine absägen
und Krüppel herstellen,
wo der Medikamentenwagen oberirdisch ein Erdbeben auslöst,
während unterirdisch in den weißen kalten Hallen
die Gelähmten auf die Hand des Mörders im Arztkittel warten.
Hier wurde seine Geliebte getötet
mit scientologischem Gemetzel.
Man will sie als Tote durch Israel laufen lassen,
um Jesus blutig vom Kreuz zu kratzen
und den Unterirdischen zu erzählen,
er sei nur ein Zombie unter vielen.

Der Ermordete soll gegen Mike Tyson kämpfen,
und wenn er verliert, kübelweise Scheiße fressen,
bis er kotzt, und alles mit stinkender Jauche übersät ist ,
und dann den Oberirdischen erzählen,
dass ihre Nahrung aus Kuhscheiße und Menschenfleisch besteht,
damit sie vor Ekel nichts mehr essen,
sich zu grauen Skelettaliens verwandeln,
die vegane Bionahrung aus der Hölle zu sich nehmen, die ihre Eingeweide zu Matsch macht
und sie in Dung für Satans Fresstrog verwandelt.

Doch er weigert sich,
und der Kampf wird abgesagt.
Satan kann schon wieder gar nichts,
außer Blödsinn erzählen,
um die Juden einzufrieren
und den Heidenchristen kalte Füße zu machen.
Okay, Jesus hat sein Leibgewand abgelegt.
Wenn wir seinen Körper verehren, werden wir zu Gammelleichen,
aber im Kreuz ist genug Honig für die Milch im Reich Gottes.

Schwarzmann muss mit, mal Spinat essen
und sehen, dass man davon nicht stirbt.
Alles Essen ist heilig, gute Gaben von Gottes Tisch.
, Spießer, die sie nicht essen wollen, werden gegrillt,
bis sie Jesus im Feuerblick von Che Guevara verehren,
und mit Rio Reiser linksradikale Psalmen singen.

Die Kirchen öffnen sich für alle
und Etepetete umarmt den Matsch.
Die Zombies aus den Psychiatrien singen im Gottesdienst den Lead, den neuen,
und die Obdachlosen reichen Messwein,
und endlich wird ein ganzes Reich Gottes daraus,
wenn Hoch und Niedrig sich küssen
und alles lebt,
nicht mehr als Maden, sondern als Menschen,
denn der abfällige Blick
ist aus den Augen gefallen,
wie Balken, wie Splitter,
und alle sagen:
ACH, DU BIST ES!
Mein Freund, meine Liebste, mein Bruder,
mein Oheim ,meine Tante, alle Menschenverwandten
all ihr Totgeglaubten,
ihr seid kein Unrat, keine Feinde,
ihr seid ja alle meine geliebten Geschwister,
die ich verloren glaubte!

Und während die Gemeinde feiert,
hebt er sein Mädchen aus dem Kot,
und sie lebt, wie er,
ein mildes Licht,
Christus,
krönt die Liebenden,
und sie verweigern, die Plastiklüge länger zu schlucken,
kosten, was man ihnen als Kot verkaufen wollte
und finden die Wahrheit:
Nichts ist unrein aus sich selbst,
nur für den, der es für unrein hält, ist es unrein.
Segen verwandelt und macht alles essbar.
Segen heiligt und macht lebbar, was verfemt war.

Da laufen hinaus in die Wiesen,
wo die Luft frei ist und über hohe Gräser streicht,
und sie lieben sich nackt
und waschen sich mit heiligen Wassern
den Staub Babylons aus den Haaren,
den Staub des falschen Jerusalems aus den Haaren,
und sehen die Stadt des Lammes herabkommen
zu ihnen in das friedliche Tal
und sich niederlassen bei ihnen im Gras,
heiligend ihren Kuss,
der den Tod besiegte.

© by Patrick Rabe, 14. August 2019, Hamburg.

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