Patrick Rabe

Zwei Königskinder, die sich mit zu tiefem Wasser...

Zwei Königskinder, die sich mit zu tiefem Wasser nicht abfinden wollen,

denn der Fischer weiß, wie man rüber kommt

 

Die Königin aus dem Süden will mein Gold nicht mehr.

 Das sie verstand, was sie kriegte, ist, was sie gab, ist unendlich lange her.

Das ich begriff, dass das das umgekehrt nicht galt, hat fast mein Herz gekillt,

Winter im Sommer, sagen sie, doch ich bewahre stumm ihr Bild.

 

Und wenn ich rede vom Glauben, sprudel ich über vor ihr,

ich gehe durch die Straßen bei Tag, und sie denken, er gehört ihr,

doch jene Hand, die mich leitet, das Weisheitswort, das mich führt,

kommt aus den Sphären des Gottes, den sie nicht einmal scheu berührt.

 

Das, was sie Salomo abnahm, ist mit den Winden verweht,

während das Haus, das wir bauten, bei mir im Norden noch steht.

Ich kann ihr nichts von mir geben mit salomonischem Sinn,

und das liegt nur an einem: dass ich einfach nicht Salomo bin.

 

Während sie Gottes Reich nun betritt auf dem Schutt meiner Revolution,

suche ich Schutz, Halt und Kühle vom Brand demutsvoll in einem Dom.

Erkenne: das Alte war auch nicht verkehrt, und wie habe ich Gott hier geliebt,

Johannes bin ich, und das Licht, es ging aus, nur die Orgel tönt, dass es Gott immer noch gibt.

 

Wer einen Heiland verrät, um zu gehn' in das verheißene Land,

wird von dem Zarten von vorn eingeholt, und dort von ihm nicht mehr erkannt.

Das, was man ließ, das vermisst man nun sehr, sie nennen es Götzenidol,

doch ohne es ist dies nicht Paradies, und das Errung'ne bleibt hohl.

 

Niemand weiß wirklich, was ich hier verlor, warum ich mein' es zu verlier'n,

Gottes Reich, so, wie ich's predigte oft, liegt doch vor unseren Tür'n.

Sommer und Sonne und "Klopf an, empfang!" haben euch sehr froh gemacht,

doch meine Sehnsucht ist Schnee, Kerzenschein, Wunder der Heiligen Nacht.

 

Ecken und Kanten hat ein Tisch und kein Mensch, ich stoß an mir selber mich wund,

ich lieb nicht den Kosmos, ich lieb das Gebüsch, auf Erden küsst' ich deinen Mund.

Die Fremde mit Augen wie Kohle und Glut, die machte ich nachts mir vertraut,

am Tag war'n wir Freunde, unerkannt war mein Wunsch, dich zu verführen als Braut.

 

Ich hab mit heiligem Feuer von Gott mein Schloss auf die Flammen gebaut,

aber sie dachte, sie hätte kein Licht, sondern Höllenfeuer geschaut.

Sie passte sich an, hat den Körper verkauft, trank ohne mich giftigen Wein,

warum schwieg ich vor ihr von Gott, hielt vor ihm meine Liebe geheim?

 

Es ist alles eines, doch Weisheit vergeht, wenn man sie nicht pflegt und bewahrt,

was Hände nicht greifen, was Augen nicht seh'n, das wird auch nicht mehr, wenn man spart.

Du wolltest die Liebe, ich wollte das Wort, wir tauschten, um uns zu versteh'n,

du nahmst meine Worte dann mit in dein Bett und sagtest, sie wären nicht schön.

 

"Was Salomo sagte, hat  mich satt gemacht, entrang mir die Barren von Gold."

"Was mein Weisheitsschatz, musst du erst noch erfahr'n, und Metall hätt ich niemals gewollt."

Wie König und Königin aus dem Tarot, Symbol Intellekt, Farbe Schwert,

so bauten wir Mauern und fanden nicht durch, haben gegen den Schmerz uns gewehrt.

 

Es ist der Schmerz jener Heiligen Nacht, ohne Qual trank ich aus seinen Bornen,

denn mit zarter Wurzel treibt sanftmütig Reis, meine Rose, sie hat keine Dornen.

Doch wer das nicht weiß, fürchtet  tödlichen Stich, greift an mit dem Schwert, mordet, geht,

sieht nicht Weihnachten, sondern Karfreitag und Tod, einen Jesus, der nicht aufersteht.

 

Und sie flieht nach dem Süden und bewahrt mich in Gold, Tut ench Amun mit Maske im Grab,

"Mag so sein Gesicht auch nicht ausseh'n in echt, es ist fest, es ist das, was ich hab."

Sie erstickt und ich frier, doch der Norden ist warm, und der Süden ist nicht Teufelsland,

das neue Lied war für uns beide zu früh, wir wären an ihm nur verbrannt.

 

Die Königin aus dem Süden will wieder mein Gold,  sie erkannte, es ist sanftes Herz.

Nicht essbar, nicht trinkbar, kein Ikonenidol, doch deutet es sacht himmelwärts.

Wenn wir einmal wieder uns irgendwo seh'n, lass uns Kinder sein ohne Versteck,

Gefühl sei das Lied, alle Tränen erlaubt, geliebt wachsen Blumen im Dreck.

 

Was sie gab, was sie kriegte, was ich wünsch, was ich bin,

Kinderlachen,  es verletzt nicht, es liebt,

und tasten wir nicht an des anderen Sinn,

droht keine Gefahr, wenn man gibt.

 

Der König der Nordens ist ein Löwe, ein Leu

mit 'nem lammfrommen Herzen, für dich.

Oh, wie ich mich Tag und Nacht so auf dich freu;

kein Bild möcht' ich; nein, dein Gesicht!

 

 

 

© by Patrick Rabe, 20. August 2019, Hamburg.

 

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