Patrick Rabe

Kirschhymne

 

Es pocht in meinen Ohren rhythmisch,

der Mythos starb heut um halb vier,

seitdem bin ich wie neu geboren,

ich weiß es, heut begeg'n ich dir.

 

Ich hab die Angst vor dir verloren,

nur aufregend ist es total,

ein neuer Tanz mit neuen Farben,

du bist es, du bist meine Wahl.

 

Zwar das Gespenst will uns nicht lassen,

es hat mir viel von dir erzählt,

Warnungen, Mahnungen, Hexenbilder,

du aber hattest auch gewählt.

 

Du sagtest: "Wähle nicht! Erkunde,

und lege dich nicht zu früh fest,

wir werden nur die Nacht durchreisen,

wenn du mich ganz und gar sein lässt."

 

Ich überlege, doch die Patterns,

sie passen allesamt nicht mehr,

das Misstrau'n ist ein alter Spiegel,

er gibt und gibt nichts neues her.

 

Ich lieb' Vertrautes, lieb mein Leben,

doch lebt nicht, wer nicht neu vertraut,

den Händen von der Frau Aurora,

wenn würzig hell der Morgen graut.

 

"Ich bin kein Morgen, nicht Aurora,

ich bin das, was du noch nicht kennst,

und dennoch kennst du mich am besten,

weil du schon lange nach mir brennst.

 

Doch willst du wirklich mir begegnen,

dann hilft kein alter Masterplan,

die Freunde, die du bisher hattest,

seh'n dich nicht als den ganzen Mann.

 

Sie wollen nur, was sie erkennen,

was ihrem eig'nen Leben nützt.

Wenn du mit mir gehst, sind sie einsam,

dein Zögern hat sie lang beschützt.

 

Sie schützen mit dir ihre Leben,

doch sie sind staubig, wie du weißt,

solang sie dich als Stütze brauchen,

seh'n sie nicht, wie du wirklich heißt.

.

Ich will dich ganz, ich will nichts glauben,

ich will erleben, wie du bist,

ich kenn nur dich, nicht deine Namen

die man dir gab, ein Name frisst.

 

Und nur dein eig'ner wird was taugen,

kann sein, dass es ein andrer ist,

als der, den man dir gab, du findest

was dein, wenn du die Furcht vergisst.

 

Die Furcht vorm letzten Fallenlassen,

die Furcht vorm Ich, die Furcht vorm Selbst,

die Furcht, den eig'nen Weg zu gehen,

auch, wenn du damit nicht gefällst.

 

Ich seh die Härte, die du vorschiebst,

ich seh das Fremde, das noch hemmt,

ich dräng dich nicht, ich bin die Liebe,

ich will dich lebend, nicht gelähmt."

 

"Ich weiß, doch es gibt kein Zurück mehr,

seit ich dich sah, bin ich entbrannt.

In dir spür ich dasselbe Pochen,

das ich auch selber hab gekannt.

.

Du brichst durch meine Widerstände,

die Mauern, die die andern bau'n,

es war ihnen ein dunkles Rätsel,

wie sehr wir beide uns vertrau'n.

 

Jetzt komm zu mir, denn ich will atmen,

will wieder spüren, dass ich's kann,

in meinen Venen pocht das Leben,

in meinem Blut wallt heiß der Mann.

 

Ich lass mich fall'n in deine Augen,

ich lass mich fallen ganz und gar,

du fängst mich mit der Kraft der Liebe,

denn du spürst, ich bin echt und wahr."

 

Die Nacht  flirrt um mich her, und Atem

ist wieder hier, so kühl und klar,

ich bin nicht das, was ich gedacht hab,

doch was ich bin, ist wunderbar.

 

Ich sehe deine dunklen Augen,

dein Puls ist meines Lebens Takt,

du rührst an meine Seelentiefe,

weil ich dich liebe, bin ich nackt.

 

Du bist so pur, so ohne Zusatz,

du magst es kalt, du magst es warm,

du bist so ohne Vorurteile,

mein Kirschenzweig im Kriegsalarm.

 

© by Patrick Rabe, 22. August 2019, Hamburg.

 

 

 

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.08.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Patrick Rabe:

cover

Gottes Zelt: Glaubens- und Liebesgedichte von Patrick Rabe



Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebe" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Lied, beim Abwasch zu singen von Patrick Rabe (Humor - Zum Schmunzeln)
Es gibt!!!! von Klaus Lutz (Liebe)
Dem Dichterfreund langer Gedichte (Klaus Heinzl) von Heino Suess (Sympathien)