Angela Pokolm

Ein herbstesbunter Baum



Ich ging auf einem Pfade

im Walde und ich dacht’,

wie ist es doch so schade,

dass aller Blätter Pracht

vom Herbst so leer gemacht.


 

Im Geist sah ich die Bäume

im Blätterkleide steh’n

und wünscht’ in meinen Träumen

die Zeit zurückzudreh’n,

das Jahr nochmals zu geh’n.


 

Vor meine Füße fielen

die welken Blätter leis’,

sah sie im Winde spielen

in Wirbeln und im Kreis,

in Wirbeln und im Kreis.


 

Und es trat in meine Seele

ein leises Trauern ein.

Denn welchen Weg man wähle,

aus Lust oder aus Pein,

im Grunde wird’s dasselbe sein:



ein Wirbeln und Vergeh’n.

Ein Wirbeln und Vergeh'n...


 

Da erblickt’ ich in der Ferne

ein Leuchten und ein Glüh’n,

als wären’s tausend Sterne,

die ganz in Flammen steh’n

und sich im Glanze dreh’n.


 

Ich eilt’ es nah zu schauen

und sah, ich glaubt’ es kaum,

unter’m Himmel, unter’m blauen,

einen herbstesbunten Baum.

Viel schöner als mein Traum!


 

Ein einz'ger Sonnenstrahl,

nie hätt’ ich das gedacht,

hatte mit einem Mal

die letzte Blättertracht

zu rotem Gold gemacht!


 

Ich gab mich ganz dem Staunen hin

ob solcher Herrlichkeit

und fühlt’ tief in der Seele drin,

dass Vergehen nicht im Dunkeln bleibt -

solang' ein Licht im Herzen lebt.

Solang' die Hoffnung nicht vergeht!


 

Angela Pokolm

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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