Patrick Rabe

Eirene, Astarte, Eos (ein Sonett-Trio)

Eirene

 

Er aber war ein schwarzer Stein der Trauer,

da zeigte sie ihm sanft, wie Steine sind,

sie war die Königin, und er der Bauer,

er fand das Bernsteingold und wurde Kind.

 

Er aber war der Wüstenwind, der weiße,

ging über die Lavendelfelder hin,

sie war Gefäß, fragt' ihn nicht, wie er heiße,

in seinen gold'nen Tropfen fand sie Sinn.

 

Als sie verstarb, da war'n die Beiden Buben,

vom Schachbrett weggefegt, die Vase leer,

sie mussten in sich suchen, was sie hält.

 

Es ist der Schreibstift in den Dichterstuben,

aus Steinen holt er ihre Sehnsucht näher,

Lavendelfeld bringt Frieden in die Welt.

 

 

Patrick Rabe,5. Oktober 2019, Hamburg.

 

 

Astarte

 

Er brannte an ihr, ging ins Kinderzimmer,

in einen Steinbruch stieß sie ihn hinab,

und albern lachend spielt er dort noch immer,

mit Mumienmurmeln siech im Königsgrab.

 

Er sah auch ihre dunkle, andre Seite,

der Baum war Heimat, das Gestein war Tod,

sie teilten Schönheit, er gab ihr Geleite,

Ikonenbild  küsst sie ins Morgenrot.

 

Jetzt ruft er seinem Lazarus die Sterne:

"Leg ihre Pharaonenmaske ab!"

such Leben, neue Worte dir im Licht!

 

Der Baum des Lebens ist uns nicht mehr ferne,

SEIN Grab ist leer, du suchst im falschen Grab.

Astarte ist Eirenes Nachtgesicht.

 

 

Patrick Rabe, 5. Oktober 2019, Hamburg.

 

 

Eos/Zoe

 

Noch tastend barmt sie um den neuen Morgen,

spielt rosenrot und golden mit dem Licht,

nimmt Dichterherzen ihre schweren Sorgen

und achtet ihres Musenmordens nicht.

 

Der eine nennt Roxanne sie, schreibt ihr Briefe

als Cyrano, so einsam und allein,

der andere, wenn er "Aurora!" riefe,

will lieber bei Dornröschens Hochzeit sein.

 

Es kommt ein Morgen, der der Nacht entstiegen,

als junges Kind kehrt Weiblichkeit zurück,

gekrönt wird jeder, beide ernten Dank.


Niemand kann Drachenblut allein besiegen;

Dornröschen atmet, Prinz seufzt auf im Glück:

"Du warst mir Christus, als ich siech und krank!"
 

 

Patrick Rabe, 5. Oktober 2019, Hamburg.

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