Karl-Konrad Knooshood

Im Flaschen-Mob

 

An der Kasse ist es voll,

voran geht es nicht einen Zoll,

um mich her die Leute schmollen,

Zeitdruck? Nichts zu wollen,

Eine Kuh glotzt wie tot,

dumm wie Sau auf Weiß-Röstbrot,

endlich, nach gefühlten Stunden dann,

bin ich als 1000. der Kunden dran,

ja, die Kasse, das Bezahlen droht,

Verkäuferin guckt angesäuert,

als hätt man sie bös angefeuert,

stur im Ton und puterrot,

äußerst missmutig, garstig, arschgrob,

Ich denk darob: Ist heut sture Arschgeigenzicke im Sonderangebot?,

Ich glaub, mit Verlaub, du bist im falschen Job!,

 

Amt, Behörde, Institut,

omni-bürokratischer Muff,

beißt sich toxisch bis ins Blut,

greift aus wie Gestank im Puff,

Flure - kahl, alt, steril,

ein beklemmendes Gefühl,

des Fehl-am-Platze-Seins,

Leben, scheint 's, gibt’s hier drin keins,

Nummern ziehen, warten, warten,

im eignen Sud vor sich hin schon braten,

Endlich zum Schuss,

endlich an der Reihe,

doch es folgt der Verdruss,

das Herkommen beinah bereue:,

Die gestrenge Alte ist,

alles andere als höflich,

spricht zu mir, als ob sie Kinder mich gleich frisst,

und bleibt bei allem muffig,

Mir schwante, als ich meine Stimme hob,

da ich sonst nicht gern wen klopp:,

Babe, du hast den falschen Job,

- bei Verwaltungen schafft manch mieser Misanthrop,

 

Gelangweilt, schräg, Beine überkreuzt,

wie ein Glas Wasser,

das sich in der Kurve schnäuzt,

ein legerer Lockerlasser,

unmotiviert – so hängst da du,

ich glaub auch, du hörst nicht zu,

etwas, das ich mir nicht sehr lob,

- ich glaub, du hast den falschen Job!,

 

Bei der Polizei,

ist's nicht einer-, zweierlei,

manchmal können sie freundlich sein,

mal entpuppen sie sich eher fies,

gemäß dem Motto: "Bullenschwein",

was ich nicht sehr genieß,

Man muss sich lieb stets generieren,

lächelnd charmant, nicht larmoyant,

humorvoll, ohne Schimpfe, galant,

und stets verbal deeskalieren,

denn die Herren tun einen wichtigen Job,

wenn er tobt, der Mob,

geben sie ihm wie mir (im Straßenverkehr) ein Stopp,

und dafür gebührt ihnen Lob!,

 

Im Laden für Tierbedarf,

ich trete ein, schreite scharf,

zielgerichtet zum Katzenstreu,

das brauch ich einmal neu:,

Geht das schnell, ich wähle gerade,

da erscheint, gar neben mir, 'ne nett grienende Dame,

fragt extrem freundlich, ob ich 'ne Frage habe,

oder wie sie sonst mir helfen könne,

Wow, wie nett von ihr, so 's selten kenne,

sie lächelt, offen, ihre lieben Augen,

ach, ich schmelz beim Charme,

welch gütige, goldenen Herzens Henne,

die sich's nicht mit mir versauen,

wird, vertraue ihr, ums Herzlein warm,

wird mir ungemein,

- Wie kann ein Mensch so entzückend höflich sein?,

Am liebsten hätt ich's ihr deutlich gesagt:,

Was in mir kurz hatte genagt,

dass ich, seitdem ich so betagt,

den netten Umgangston viel lieber mag,

und ich ihr dankbar bin,

für diesen ihren Nettseins-Sinn,

ich lächelte mit Doppelkinn,

und gab die Sanftheit meiner Stimme hin,

blöd, dass nicht alle so verdammt leutselig sind,

 

Tja, diese Person, dachte ich darob,

derweil flott davon mein Rad mit mir stob,

dass ich mir dies lob: Die Dame hat den richtigen Job!,

 

Morgens, es ist früh – und ich muss los,

die Straße verläuft gerade wie eine Schnur,

doch der Andrang, auch Gestank ist groß,

denn dort steht ein Laster der Müllabfuhr,

Eine Dame erspäh ich jäh, die sehr behände,

in die Halterung die Tonnen klemmt, 

bin fasziniert, wie sie mit Wonne,

all die schweren Müllbehälter stemmt,

Sie sieht sehr fröhlich aus und voller Power,

so mag ich das bei Frauen,

und ich muss schon sagen, so auf Dauer,

ist sie sexy dabei anzuschauen,

Frauen in 'ner Männerdomäne,

zum Zopf gebunden ihre Mähne,

Am liebsten spräch ich aus ein dickes Lob,

und tät Bewunderung lieb kund,

doch schüchtern sind mir Wesen, Mund,

doch ich stell fest: Sie scheint zu lieben ihren Job,

genau die Richtige für diesen Knochen- [meinen heimlichen Traum-]Job!






(06.02.2018)



Basierend auf wahren Begebenheiten, manch typischer
Alltagssituation, während man a) auf dem Weg zu, b)
auf dem Weg von, c) Arbeit, d) Studienveranstaltung
(Kurs, Seminar), e) nach Hause, f) zu Freunden, g)
zur Freundin ist...
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zum Gedicht

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