Patrick Rabe

Freiheitsglocken

Freiheitsglocken

 

("Chimes of Freedom" von Bob Dylan, deutsch übersetzt von Patrick Rabe)

 

Die Sonne ging schon unter, es war kurz vor Mitternacht,

als ein Gewitter uns arg überraschte.

Ein Hauseingang gab Unterschlupf, und Blitz und Donner sangen,

uns war's, als ob die Freiheitsglocken klangen.

Klangen für die Krieger ohne Kraft für Kampf und Mord,

klangen für die Flüchtlinge, die aus ihren Ländern fort,

und für jeden Söldner, der vor Heimatsehnsucht schier verdorrt,

und wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.


 

Im Schmelztiegel der City war'n wir Zeugen, unbemerkt,

wir bargen die Gesichter an den Wänden,

als das Echo einer Hochzeitsglocke fern im Regensturm

in den Blitz-und-Donnerklang tat überblenden.

Sie klangen für den Wüstling, den Rebellen ohne Grund,

für den Spieler ohne Glück, den verjagten, armen Hund,

und für den Außenseiter, dessen Brennen nie verstummt,

wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.


 

Durch das irre, düst're Hämmern wilden Hagelschlags erzählt

der Himmel uns Gedichte nackten Staunens,

dass das Läuten von der Kirche sich in Wind und Nacht verlor,

und doch auferstand im Klang des Wetterraunens.

Sie klangen für den Sanften, der im Dunkel bei dir sitzt,

für den, der in der Seelennacht dir Herz und Geist beschützt,

und den Dichter und den Maler, deren Kunst der Welt nichts nützt,

und wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.


 

Durch den Kathedralen-Abend gab der Regen Zeugnis ab

für die meinungslosen Nackten ohne Stimme.

Er sprach es für die Zunge, die nicht bändigt, was sie fühlt,

weil es gleich bleibt, und nicht offenbart das Schlimme.

Sie klangen für die Tauben, sie klangen für die Blinden

ohne Pfropfen in den Ohren und auch ohne Augenbinden,

die in einer reinen Mutter stets doch eine Hure finden,

und wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.


 

Auch, wenn eine weiße Wolke näherkommt am Horizont,

und der Nebel dieses Spiels sich langsam lüftet,

schießt immer noch Blitz über Blitz so pfeilgleich in die Nacht,

für den, der einsam durch die Zeiten driftet.

Sie klangen für die Suchenden auf sprachlosem Wand'rerpfad,

für die, die einsam in der Liebe sind, mit Geschichten zu privat,

und für jeden, der im Kittchen sitzt und nichts ausgefressen hat,

und wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.


 

Ich lach noch heute staunend, wenn ich dran denk an diese Nacht,

in der die Stunden arbeitslos vergingen,

als wir noch einmal gehört und geschaut zum letzten Mal,

gebannt von diesen viel zu großen Dingen.

Sie klangen für den Schmerzensmann, dessen Wunden Pein und Qual,

für die Wirren, Irren, Geschlauchten und Missbrauchten großer Zahl,

und für jede arme Seele, die verloren scheint im All,

und wir hörten, wie die Freiheitsglocken klangen.

 

 

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Zum Gegenlesen noch einmal das Original.

Chimes of Freedom

Written by: Bob Dylan

 

 

Far between sundown’s finish an’ midnight’s broken toll
We ducked inside the doorway, thunder crashing
As majestic bells of bolts struck shadows in the sounds
Seeming to be the chimes of freedom flashing
Flashing for the warriors whose strength is not to fight
Flashing for the refugees on the unarmed road of flight
An’ for each an’ ev’ry underdog soldier in the night
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

 

In the city’s melted furnace, unexpectedly we watched
With faces hidden while the walls were tightening
As the echo of the wedding bells before the blowin’ rain
Dissolved into the bells of the lightning
Tolling for the rebel, tolling for the rake
Tolling for the luckless, the abandoned an’ forsaked
Tolling for the outcast, burnin’ constantly at stake
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

 

Through the mad mystic hammering of the wild ripping hail
The sky cracked its poems in naked wonder
That the clinging of the church bells blew far into the breeze
Leaving only bells of lightning and its thunder
Striking for the gentle, striking for the kind
Striking for the guardians and protectors of the mind
An’ the poet an' the painter behind beyond his rightful time
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

Through the wild cathedral evening the rain unraveled tales
For the disrobed faceless forms of no position
Tolling for the tongues with no place to bring their thoughts
All down in taken-for-granted situations
Tolling for the deaf an’ blind, tolling for the mute
Tolling for the mistreated, mateless mother, the mistitled prostitute
For the misdemeanor outlaw, chased an’ cheated by pursuit
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

Even though a cloud’s white curtain in a far-off corner flashed
An’ the hypnotic splattered mist was slowly lifting
Electric light still struck like arrows, fired but for the ones
Condemned to drift or else be kept from drifting
Tolling for the searching ones, on their speechless, seeking trail
For the lonesome-hearted lovers with too personal a tale
An’ for each unharmful, gentle soul misplaced inside a jail
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

Starry-eyed an’ laughing as I recall when we were caught
Trapped by no track of hours for they hanged suspended
As we listened one last time an’ we watched with one last look
Spellbound an’ swallowed ’til the tolling ended
Tolling for the aching ones whose wounds cannot be nursed
For the countless confused, accused, misused, strung-out ones an’ worse
An’ for every hung-up person in the whole wide universe
An’ we gazed upon the chimes of freedom flashing

 

 

 

von Patrick Rabe übersetzt am 8. Oktober  2019 in den Nacht- und Morgenstunden

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