Patrick Rabe

Der Birger mit dem Stuhl (ein Sonett-Quartett)

Der Birger mit dem Stuhl 1

(dem Wolf, meinem Jäger)

 

Wie du im Bett liegst, hässlich wie ein Pferdefladen,

verroht, autistisch, pockennarbig, irr,

juckst murmelnd deine viel zu dicken Waden,

und leckst gleich einem Hund das Essgeschirr.

 

Du sagst zu mir: "Die Hure wird beseidigt!"

Ich sag zu dir: "Mein Birger, tu es nicht!"

Du keuchst bei Nacht an mir vorbei, beleidigt,

du wirfst den Stuhl, mein armes Rückgrad bricht.

 

Der gute Geist fügt mich erneut zusammen,

Herr Böttcher wird fixiert abtransportiert,

der Name ist nicht seiner, ist gestohlen.

 

Ich nenn ihn Birger, und Sellin schreibt: "Flammen!"

Ein Inmich außer sich, von Hass vertiert,

er jagt mich mit dem Stuhl, frisst meine Sohlen.


*

 

Der Birger mit dem Stuhl 2

(dem bösen Löwen, meinem Mörder)

 

Er donnert sich den Stuhl krass auf den Kopf,

will wissen, wie ich überleben konnte.

Kein Mensch versteht die Krankheit von dem Tropf,

die Psychiatrie ihm nicht mehr helfen konnte.

 

Er wird entlassen, schnappt sich einen Stuhl

und humpelt durch die Nacht, um mich zu finden,

er foltert mich derweil, er ist ein Ghul,

er quält mich telepathisch, wird mich finden.

 

Da klirrt die Tür aus Glas, der Stuhl fliegt durch,

der Birger ist im Haus, ich bin am Zittern.

Die Nachbarn helfen nicht, sind leider feige.

 

Er schmeißt den Stuhl erneut, stürmt meine Burg,

 er schlitzt mich auf, froh, meine Angst zu wittern,

er spuckt auf meine Leiche und spielt Geige.

 

*

 

Der Birger mit dem Stuhl 3

(dem Lamm, meinem Bruder)

 

Du siehst mich großen Auges bittend an,

das Abendmahl des Herren willst du feiern,

und wieder Lamm sein, Liebender im Mann,

ein Brötchen teilen, statt mir eine scheuern.

 

Ich habe zwar verstanden, was du meintest,

doch deine Gesten brachtest du zu schnell,

darum du in Gewalt dich mir vereintest,

dir war es stets ein Knast, mir ein Hotel.

 

Die Vögel fliegen schwarz über der Vorstadt,

die Unterschicht quält sich die Straße lang,

die Arbeit und die Arbeitslosigkeit

 

sind beides Höllen, wo kein Mensch ein Ohr hat,

vor dir war mir im Krankenhaus sehr bang,

doch ich vergeb dir, Brot und Wein stillt Leid.

 

*


Der Birger mit dem Stuhl 4

(dem guten Löwen, meinem Retter)

 

So gläsern ist die Stadt, so strahlend golden,

Saphir, Smaragd, Jaspis und Chalzedon,

wir schauen nach des Lammes Braut, der holden,

das Lamm sitzt gleich der Sonne auf dem Thron.

 

Du stehst mit deinem Stuhl, ich mit dem Brötchen,

wir staunen, sind in dem gelobten Land,

wir essen Currywurst und Katzenpfötchen

und geben als Versöhnte uns die Hand.

 

Der Löwe ist aus Juda, er kehrt wieder,

vegan, auf Stroh, und legt sich zu dem Lamm,

ein Kind spielt mit dem Viperntier aus Eden.

 

Das Lamm vertraut, und legt sich zu ihm nieder,

der Löwe lacht und schenkt ihm einen Kamm,

die Gnade Christi heilt und findet jeden.

 

***

 

Patrick Rabe,  14. Oktober 2019, Hamburg.

 

 

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