Karl-Konrad Knooshood

Kühl & alive

Sonnenbrille auf,

schwingt auf den Sattel rauf,

jeden Tag,

im Hamsterradlauf,

doch cool, abgeklärt,

sitze auf, wo mir die Welt gehört,

Ich bin der coolste Mann,

(mit Smartphone),

hier bin ich wild, frei,

 

Bin ein Cowboy,

auf 'nem Drahtrad ich reit,

fort ich voll,

man kennt mich: als "bösen Nazi-Troll"!,*                                     *Natürlich bin ich das nicht!

 

Auf TWITTER sehr aktiv,

doch ich studier auch sehr,

ich mag's auch mal passiv,

meinen Kater schmus ich gern,

Ich seh gern mal fern,

doch ich lese (auch) sehr viel,

bin oft leicht fragil,

(doch) halt' mich wacker und stabil,

 

Bin 'n Cowboy,

auf 'nem Drahtreifen ich reit,

mein Arsch ist,

recht fett und breit,

 

Und ich gurke,

fahr nie besengt,

(fahr wie besengt),

 

Und ich gurke!,

 

- Bin ein Lonesome,*                                                                          *nicht immer

mit Entschlossenheit im Schritt,

und ich reite,

lässig über Split,

 

I'm rolling through the streets,

With a Roxette   Rocksack/body bag* on my back,

lausche fetten Beats,

I love that Techno tracks!,

I got my smartphone ev'rywhere, yeah!,

It's my smartest weapon,

With a flatrate it's toll*,                                            *in diesem Fall nicht das deutsche "toll", sondern "toll" = Gebühr/Tribut...                                                             

I met a million people,

And I apped them all!,

 

Denn ich bin 'n Smartboy,

With a smartphone I roll,

Made of iron,

Are my two balls,

R my true goals,

 

Bin ein Fanboy,

und auf STAR TREK fahr ich ab,

ich bin schon (bin schon),

ein harter Stab,

ein frecher Knab',

ein Combi-Smart…



Wenn man erstmalig ein richtiges Smartphone hat
(bei mir vor drei Jahren, als mein altes Samsung
Galaxy S 1 versagte), fühlt man sich cool, mächtig
und voll im Leben stehend. Man denkt, man könne
alles, die wahrgewordene Superwaffe, Allzweckwaffe
für unterwegs, wie ein Colt, man steht seinen Mann
in der Wüste der Großstadt, reitet auf dem
Drahtesel abgeklärt und kühl durch die Prärie und
klärt jedes Ding auf. Man fügt Menschen zu
Kontaktlisten im Phone hinzu, man "appt", also
installiert viele Apps, viele tausende - bis das
Phone fast kollabiert. Dann stellt man fest, dass
man (in meinem Fall 87,53%) die Mehrzahl seiner
installierten Apps im Alltag gar nicht oder kaum
benutzt, dann beginnt man, Massenlöschungen
vorzunehmen, bis nur noch die wirklich wichtigen
Apps (Whatsapp, Quizduell, Youtube-App,
Musikplayer-App, die für den MP3-Player benötigt
wird, Voicerecorder und Photoeditor sowie "Gehobene
Sprache" und ein Logo-Errate-Quiz) enthalten sind.
Dieses Gedicht schildert meine Alltäglichkeit, mein
cooles Outfit, die perfekte Aufmachung, mein
Lebensgefühl (wenn auch nur zum Teil), das
inzwischen etwas ernüchtert ist, denn das doofe
Smartphone nervt auf Dauer etwas, ich nutze es auch
eher wenig für das, wofür andere Leute es nutzen:
zum Spielen und Internetsurfen. Wenn, dann lese ich
viel im Internet - oder kommentiere - oder schreibe
Anmerkungen. So ist mir auch unterwegs ein
praktisches Utensil an die Hand gegeben. Ach ja,
für Musikgenuss per Kopfhörer (meine Umwelt würde
ich niemals mit meinem Musikgeschmack behelligen,
auch wenn dieser natürlich ausgezeichnet ist)
natürlich auch. Zu Weihnachten gibt's ein besseres
Modell aus dem Aldi-Sonderangebot oder so.

Die Passage mit dem Roxette (schwedische Easy-
Listening-Pop-Rock-Coolband, eine meiner absoluten
Favoritenbands)-Rucksack spielt darauf an, dass im
Englischen der Rucksack auch Rucksack heißt
(womöglich weicht die Schreibweise ab), jedoch
nicht "body bag", wie es vor etlichen Jahren im
Anglizismus-Wahn in einem Supermarkt angeboten
wurde. Amerikanische Austauschstudenten sollen
damals den "Schock"/die Irritation bekommen haben,
als sie sich darüber wunderten, dass "body bags"
(Leichensäcke!) in einem Supermarkt/Discounter
verkauft werden, mussten vor Ort dann jedoch
feststellen, dass es sich um gewöhnliche stylische
Rucksäcke handelte.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zum Gedicht

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