Patrick Rabe

Politische Veranstaltung im Advent

 

Dein Leben lang hast du gewartet, ihn zu treffen, ihn zu sehen.

Sie sagten dir, er sei der Teufel, säh' man gleich, er sei nicht schön.

30 Jahre hat man dich gewarnt, gestählt, gedrillt,

als Hassobjekt neben dem Kreuz hing sein entstelltes Bild.

Du wusstest, Hass ist nicht gesund, und doch, sie sagten dir;

der Typ ist ja der Antichrist, das Offenbarungstier.

Und dann kam jener Tag, der große, das Messer in der Hand

hast du auf ihn gewartet an dem Parteienstand.

Du dachtest: Gleich tritt er hinaus aufs große Podium,

dann renn ich auf die Bühne rauf, stech zu, und hau ihn um.

Da spricht dich eine Stimme an: "Hey, hast du etwas Geld?

Ich friere so, es ist so kalt, so einsam ist die Welt!"

Du drehst dich um, dich trifft ein Schreck, denn das Gesicht vor dir

ist jenes von dem Fahndungsbild, der Antichrist, das Tier.

Und du erkennst in seinem Blick, während er Nase schneuzt,

die Liebe Christi, mild und warm, die nie mit Gnade geizt.

Du holst das Messer aus der Tasche, sprichst, du weißt nicht wie:

"Ich hätt fast einen umgebracht, der sah so aus wie sie!"

Der Mann erschrickt, er hustet laut, die Gnade Christi flieht

aus seinem Blick, der unverwandt nur auf dein Messer sieht.

"Schluss jetzt! Das ist zuviel! Seid ihr denn alle irr!?"

Er reißt es dir aus deiner Hand, sticht zu und faselt wirr.

Ein Polizist nimmt ihn gleich fest, dein Hemd vom Blut ganz nass,

das Podium betritt ein Mann, der sagt: "Wir schaffen das!"

 

 

 

 

 

Patrick Rabe,23.Oktober 2019, Hamburg.

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