Hans Fritz

Spuk im Turm


«Ohne Spuk und Geisterheer
wär das Leben öd und leer –«
Glaubt eine Abenteurergruppe
und steigt auf zur kahlen Kuppe.
Dort steht ein Turm, so hoch wie düster,
verfluchter Hort mit Nachtgeflüster!
Und zwar soll stets Schlag Mitternacht,
wenn Himmel spendet Sternepracht,
mit Trommel und verstimmten Geigen
einsetzen böser Geister Reigen.
Ein Licht, aufflackernd und dann träger,
soll schwenken hoch der Wilde Jäger.

Doch nichts geschieht. Es ist vorbei
mit angespannter Warterei.
Es läuft die Zeit und bald bricht an
Morgendämmers sanfte Bahn.
Da - wie mit Höllenmacht verbündet
ein Blitz das Dachwerk hat entzündet,
gefolgt von dumpfem Donnerrumpeln,
rockender Gespenster Humpeln?
Vom hölzern Söller lodert Brand,
erhellt ringsum ein Schlummerland.
Die Hasardeure fürchten, bangen,
dass die Treppen Feuer fangen.
Da bleibt am Ende nur die Flucht
aus purer Abenteuersucht.
Durch das morsche Tor hinaus,
missachtend wütend Sturmgebraus,
die Freunde können fliehen
und gemächlich stadtwärts ziehen.

*
Zwanzig Jahre sind verflossen,

in Amt und Würden die Genossen,
die einst das Abenteuer suchten,
dann mit Leidenschaft verfluchten.
Es ist Karl, geschätzter Literat,
der ein Geständnis hat parat:

Da im Turm gabs keine Geister,
weder Spuk noch Hexenmeister,
einen Spass wollt er nur machen,
buntes Feuerwerk entfachen,
verbunden doch auf jeden Fall
mit einem fürchterlichen Knall.
Beim ersten Morgenstrahl er hatte
auf dicker feuerfester Matte
ausgetüftelt Zündwerk deponiert
und auf null Uhr programmiert.
Doch der Coup war fehlgeschlagen,
und es erhoben sich viel Fragen -
Wer, um alles in der Welt,
hat falsches Zünden eingestellt?

Wie es der Zufall wollte,
ein Fass treppabwärts rollte,
sodass es klang wie Donnerhall -
Ersatz für den geplanten Knall!

Nun bittet Karl in ruhigem Ton
schuldbewusst um ein Pardon.
Er wollte nicht, dass jenes Feuer
sich weitet aus zum Ungeheuer.
Doch die Freunde haben längst vergeben
und leben unbeschwert ihr Leben.

Soweit, so gut, ein Allerweltsbericht,
doch ganz zu Ende ist er nicht.

Was die Story macht komplexer:
Im Turme hauste Rax der Hexer,
einst knapp entkommen dem Gericht,
fand draussen er den Frieden nicht.
Ob’s ihm gelang das Feuer zu entfachen,
um Ungebetenen Angst zu machen?
Beim Abriss der Ruine irgendwann,
gab’s keine Spur vom Zaubermann.


 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hans Fritz).
Der Beitrag wurde von Hans Fritz auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Mein Parki - Heute / Alltag nach vielen Jahren (Parkinson-Gedichte 2) von Doris Schmitt



Das Buch handelt von Gedichten über Parkinson nach vielen Jahren. Das 1. Buch wurde 2015 veröffentlicht und beschreibt die ersten Jahre mit der Krankheit Parkinson.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Verrücktheiten" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Hans Fritz

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Zwei Vasen von Hans Fritz (Absurd)
Suche von Edeltrud Wisser (Verrücktheiten)
Dein Bild von Anita Menger (Liebe)