Patrick Rabe

Einladung zum Festmahl, Ort:da, Zeit:dann...

Einladung zum Festmahl, Ort: da, Zeit: dann.  (Alles andere ist Ablenkung)

 

 

Und ich schaue aus dem Fenster

und ich seh den großen Sturm,

seh im Keller die Gespenster

und die oben auf dem Turm,

seh das böse Blutvergießen

und den Wein, den froh man trinkt,

seh sie eine Blume gießen,

die schön aussieht, aber stinkt.

 

Und ein rastlos' hungrig' Sehnen,

das niemandem gutes tut,

wischt der Jugend  Geld, Verwöhnen,

Wohlstand von der  Zuckerschnut,

schleudert greis sie um die Erde,

lässt sie bleichen vor der Zeit,

nur das erste der vier Pferde

trägt den Boten, der Gott freit.

 

Und die Hure stöhnt im Keller,

weckt die Lust zum Liebesspiel,

doch den Tod, die leeren Teller,

sieht man erst, wenn tief man fiel.

Viele sitzen noch beim Schmause,

konsumier'n, solang es geht,

unterm Ballsaal liegt die Klause,

wo das Folterwerkzeug steht.

 

Und dort wird niemand mehr beten,

scheint es auch so klösterlich,

dort wird Babylon uns töten,

eh es schimmert österlich.

Und die letzte fahle Larve

birgt das letzte, was verdammt,

einen Weisen, dessen Strafe

Tränen sind, so sanft wie Samt.

 

Und ich seh die Sterne fallen,

so wie Nienteen Nientyeight,

man misstraut den Nachtigallen,

weil sie singen gar so spät.

Doch ihr Lied ist schön und heilig,

wenn man eine Matze isst,

länger schaut und nicht zu eilig

Huren mit 'ner Glatze küsst.

 

Dunkel ist der Wein im Becher

und sie trinken ihn zu schnell,

sind Genießer nicht, sind Zecher,

nackt und bloß ihr Bettgestell.

Und ich greife nach der Flasche,

und ich greife nach dem Brot,

sieben Mal war es nur Asche,

einmal war es Licht von Gott.

 

 

© by Patrick Rabe, 27. Oktober 2019, Hamburg.

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